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Reisetagebuch Woche 1: Von Texanern, Margaritas und Longhorns

Ein Jahr und knapp zwei Monate ist es nun her, seit wir aus dem Süden der USA nach Hause gekommen sind. Und kein Tag vergeht, an dem ich nicht mindestens einmal an diese tolle Zeit denken muss. Was habe ich gelitten, als ich in den Flieger steigen musste, um zurück nach Hause zu gehen. Monatelang konnte ich keine Bilder der Reise anschauen, ohne in Tränen auszubrechen. Deshalb habe ich auch bis heute gebraucht, um endlich mein Fotobuch fertigzustellen. Und damit ich alles schön chronologisch abbilden kann, kramte ich mein Reisetagebuch aus der Kiste und begann, wieder in den Traum des Südens abzutauchen. Ich habe euch auf Instagram ( followt ihr mir schon? Niiiicht? Dann hopphopp! :) ) gefragt, ihr habt abgestimmt und wolltet es so: Ich teile mein Reisetagebuch mit euch!

 

Also als erstes möchte ich sagen, dass ich mein Reisetagebuch eins zu eins abschreibe. So kann ich euch am besten an all den Emotionen, die wir auf der Reise erleben durften, teilhaben lassen. Weil die Texte frisch won der Leber weg kommen, ist die literarische Qualität dementsprechend nicht immer all zu hochstehend - ihr werdet mir verzeihen. Ich weise darauf hin, dass es Aussagen enthält, die nicht fundiert recherchiert wurden, sondern auf Aussagen von lieben Menschen beruhen, die wir kennenlernen durften und die uns Einblick in ihr Leben liessen. Ebenso sind die Erzählungen längst nicht abschliessend. Wenn ich alle Eindrücke hätte niederschreiben wollen, hätte ich die Hälfte der Reise verpasst. Wenn ihr Fragen habt oder vielleicht auch Reisetipps möchtet, dann schreibt mir doch einfach! Und jetzt los von Rom beziehungsweise von Austin, Texas.

Mittwoch, 5. April 2017 - Austin TX

Unsere Reise ist gestartet. Nach kurzfristigem Stress wegen einem vergessenen PIN-Code von Johanns Kreditkarte ist jetzt alles geregelt und wieder okay. Das Check-In in Zürich verlief absolut problemlos, ebenso wie das Check-In für den Weiterflug in London. Dort habe ich all meinen Mut zusammengenommen und am Flugschalter für ein kostenloses Honeymoon-Upgrade gefragt. Die harsche Antwort „no way!“ hat mich dann doch etwas aus dem Konzept gebracht. Aber was soll‘s. Wir kamen auch in der Economy-Class wunderbar an unser Ziel. Der Langstreckenflug verlief ohne Zwischenfälle. Komischerweise konnte sich Johann besser „verdöörlen“ als ich – ein bisschen gelitten habe ich schon. Vorallem wegen dem furzenden und alkoholfahnenausstossenden Schnarchers, der sich an meiner Schulter ausgeschlafen hat. Aber als wir dann endlich den ersten Blick auf Texas werfen konnten, war alles vergessen! Noch im Flugzeug kam mir das Augenwasser. Die Immigration verlief, wie alles andere auch, problemlos. Die Autoübernahme ebenso. Der nette Typ vom Autoverleih war hin und weg von unseren geplanten Flitterwochen: „holy fucking 58 days honeymoon!“ Wir kriegten dann auch gleich ein doppeltes Upgrade in der Wagenklasse und kurven jetzt mit einem Dodge Dart durch die Gegend!
Zum Glück, denn wir mussten feststellen, dass hier einfach alles ein bisschen grösser ist. Jeder zweite fährt hier einen Pick-Up! Da wären wir mit einem Ford Fiesta ziemlich untergegangen. Der Verkehr hat uns nach fast 24 Stunden Reise dann ziemlich überfordert. Eben alles grösser und breiter und überall Autos. Unser schnuckliges Guesthouse haben wir aber ohne Probleme gefunden. „Ohne Probleme“ und „problemlos“ sind am heutigen Tage wohl meine Lieblingsworte. Aber wie gesagt, nach 24 Stunden Reise bin ich vielleicht auch einfach nur froh, dass alles so reibungslos über die Bühne gegangen ist und wir jetzt in unserer perfekten, kleinen Bude sitzen.
Kimberly, die Besitzerin, hat uns ganz nett begrüsst. So oder so, hier scheinen alle einfach einen ganzen Ticken lustiger, offener und freundlicher zu sein, als wir das bis jetzt kennen. Abendessen haben wir dann in einem Fast-Food-Mexican-Schuppen gegessen. Was soll ich dazu sagen. Es ist einfach alles ein bisschen grösser hier. Alles in allem kommt es uns vor, als wären wir mitten in einem tollen Film gelandet, wir sind einfach happy!
 

Ausgaben total: $70.00

Gefahrene Meilen: 13.6

Donnerstag, 6. April 2019 - Austin TX

Heute hatten wir unseren Camping-Shopping-Day. Nach einer relativ ruhigen, aber kurzen Nacht (Jetlag, um 04:00 Uhr waren wir hellwach) und einem richtig ekligen Kaffee mit einer Art Kondensmilch zogen wir los auf der Suche nach Frühstück und einem Walmart. Wir wurden mehr als nur fündig: ein T-Mobile-Shop war nämlich auch noch da. Zuerst gab es aber grandioses Frühstück; im First Watch verspeisten wir ein Egg-Sandwich und zwei Pancakes. Wieder einmal musste ich feststellen, dass der Schweizer Hunger nicht an amerikanische Portionen angepasst ist. Die Reste meiner Pancakes konnten wir nach Hause nehmen. Super Laden, grandiose Bedienung.

Allgemein waren wir auch heute wieder überrascht, wie unglaublich freundlich und offen die Leute hier sind! Im T-Mobile-Shop haben wir uns dann ein Prepaid-Abo gekauft, das zwar ein bisschen über dem Budget liegt, aber unbegrenztes Internet anbietet. In diesem Laden waren wir recht lange – nicht wegen des Abos, sondern weil die beiden Angestellten uns noch ganz viele Reisetipps gegeben haben. Dann kam wieder kurzfristig Hektik auf. Als wir den Vertrag mit Alamo (Autovermietung) studierten, sahen wir, dass das Retourdatum auf den 5. Mai angesetzt war. Wir fuhren daraufhin an den Flughafen zurück, um einen neuen Vertrag anfertigen zu lassen. Das hat sich dann aber als unnötig erwiesen – hätten wir das Kleingedruckte gelesen, hätten wir gesehen, dass alles in Ordnung ist. Nun ja, so haben wir noch ein bisschen Übung gekriegt was den Verkehr angeht – noch sind wir ein bisschen überfordert.

Unser Besuch im Walmart war übrigens auch lustig. Da kriegt man von Milch bis Munition alles. Aber natürlich alles in Übergrösse. Den Abend haben wir dann bei Gemüsedip, Käsemaccaroni (bitte nicht fragen…) und Bier-Margaritas verbracht. Der Jetlag hat uns immer noch fest im Griff und wir können es kaum erwarten, endlich schlafen zu gehen!
 

Ausgaben total: $361.00

Gefahrene Meilen: 0

Freitag, 7. April 2017 - Austin TX

Heute Morgen verliessen wir unser gemütliches Guesthouse und tuckerten Richtung LoneStar Round Up. Eigentlich war das erst für Samstag geplant, aber der Verkehr macht uns immer noch ziemlich Bammel, deshalb werden wir die Stadt wohl erst vor dem Rückflug besuchen, damit wir uns jetzt erstmal ein bisschen an den Verkehr gewöhnen können. Wir müssen generell noch ein bisschen lockerer werden und unser Schweizer Bünzlitum beiseiteschieben, denn die Menschen hier sind wirklich so anders. Uns bleibt andauernd der Mund offen stehen.

Zum Beispiel ist es hier viel sauberer als bei uns, weil einfach jeder seinen Dreck wegräumt. Heute haben wir einen Mann beobachtet, der seinen Zigarettenstummel in den Müll geworfen hat, obwohl er dafür aufstehen musste. Und als am Nachbartisch einer seine Zigarette angezündet hat, fragte er uns zuerst, ob es okay sei wegen dem Rauch, und das, obwohl wir draussen gesessen sind. Ausserdem wirkt es so, als ob hier die Familie noch einen ganz anderen Stellenwert hat als bei uns. Das Lonestar Round Up war denn auch mehr ein Familienfest, was aber mehr als okay war!

Das Round Up an sich hat uns etwas überfordert. Totale Reizüberflutung. Diese Masse an grandiosen und verrückten Autos kann man sich kaum vorstellen! Diese Eindrücke müssen wir wohl erst noch verarbeiten. Ausser den tollen Amischlitten gab es auch viele tolle Marktstände, die wir uns aber wegen des Budgets gar nicht zu genau anschauen wollten. Gegessen haben wir einen Haufen leckerer „Seich“. Ich hab meinen ersten Corn Dog gegessen. Meiner Meinung nach werden die Dinger überbewertet. Dafür bin ich addicted to lemonade! Einfach unendlich lecker und erfrischend. Heute Nacht campen wir übrigens das erste mal – halbwild. Wir haben unser Zelt legal auf dem Areal des Round Up gestellt, irgendwo auf einer riesigen Wiese am Rande eines Gebüsches. Hoffentlich gibt es hier keine Schlangen.

 

 Ausgaben total: $120.00

Gefahrene Meilen: 59.1

Samstag, 8. April 2017 - Austin TX nach San Antonio TX

Heute wurden wir Zeuge von der Gastfreundschaft des Südens beziehungsweise der Texaner. Wir haben ja bereits gestern beschlossen, heute weiterzufahren und als wir dann wegen des Jetlags schon um 05:00 Uhr wieder wach lagen, hatten wir uns unseren Tagesplan eigentlich schon zurecht gelegt. Der Plan wurde aber dann kurzerhand von unseren netten, texanischen Campnachbarn durchkreuzt. Die kamen einfach so rüber, sie gingen jetzt zum Frühstück und ob wir mitkommen wollten. Da mussten wir natürlich nicht zweimal überlegen, denn wann hat man schon die Chance, mit einem 54er Buick Fleetline durch eine texanische Grossstadt chauffiert zu werden? Es war schlicht grandios! Beim Aussteigen schlotterten mir regelrecht die Knie. Dave, dem Besitzer des Wagens, merkte man seine Leidenschaft an. Der Wagen war zwar noch nicht „zwäggmacht“, aber er liebe diese Kiste und wolle sie nicht im Garage stehen lassen, bis sie dann irgendwann mal vollendet sei. Er kommt übrigens aus Houston, ist Anwalt und in seiner Freizeit bastelt er am Auto rum oder schmiedet Rüstungen. Sein Kumpel Trevor hat drei Firmen – alle für den Auf- und Umbau von Oldtimern. Aber Dave will seinen Wagen nicht von Trevor umbauen lassen, obwohl es den ziemlich in den Fingern juckt. Aber er meinte bloss: „Some buy a car. But a real man builds his car.“. Nicht nur die Fahrt war toll, es war auch spannend, mehr über das Leben hier in Amerika zu erfahren. Zum Beispiel haben hier die Angestellten keinen Anspruch auf Urlaub – weder bezahlten noch unbezahlten. Es warten ja auch immer Unzählige, die deinen Job übernehmen könnten. Allein deswegen reisen die Amerikaner nicht besonders häufig. Allgemein ist es auch erstaunlich, wie verhältnismässig teuer das Essen ist. Viele Amerikaner verdienen nur 30‘000 Dollar im Jahr. Allerdings haben die Jungs auch gesagt, dass du hier echt was erreichen kannst, wenn du bereit bist, dafür hart zu arbeiten. Anscheinend seien hier auch gute Zimmermänner mit eigener Firma solche, die richtig gut verdienen können. Ein Haus in Texas kostet hier übrigens ungefähr 200‘000 Dollar. Nicht, dass wir vorhätten, auszuwandern, aber es ist echt interessant, die Unterschiede zu entdecken. Dave hat übrigens unser Essen bezahlt. Das sei sein Geschenk an unsere Flitterwochen. Wenn wir uns in Houston getroffen hätten, hätte er uns zu Shrimp’n’Grits und Margaritas eingeladen. Es war einfach wieder ein total überwältigendes Erlebnis.

Nach dem Frühstück – es war schon fast 12:00 Uhr – sind wir nochmals aufs Round-Up Gelände, um uns von unseren separat angereisten Freunden aus der Schweiz zu verabschieden. Und Johann wollte sich noch einen Erinnerungshut kaufen. Irgendwie ist dann doch noch ein ultrasüsses Ananas-Kleid in meiner Tasche gelandet. Danach sind wir dann nach San Antonio gefahren, wo wir jetzt auf einem tollen Campground sitzen, der alles bietet, was das Herz begehrt! Mit der Esserei muss ich übrigens langsam aufpassen, ist einfach alles ziemlich ungesund hier. P.S: Wir haben gerade unsere ersten Glühwürmchen gesehen! Wunderschön!
 

Ausgaben total: $122.67

Gefahrene Meilen: 97.7  

Sonntag, 9. April 2017 - San Antonio TX

Heute haben wir alles ganz gemütlich genommen. Als wir morgens aufwachten, ist uns als erstes aufgefallen, dass unser kleines, aus der Schweiz mitgebrachtes Zelt aus allen Nähten platzt. Buchstäblich. Der Grund ist simpel: Wir haben in der Schweiz nicht dieselben Bettmasse. Unser Zelt ist ausgelegt für eine 1.40m-Matratze. Die Queen-Size-Matratze, die wir hier gekauft haben, misst aber 1.52m. Das Zelt stand so unter Spannung, dass der Zeltstoff an den Nähten schon ganz leicht angerissen war. Wir fuhren also wieder in den Walmart, um dort nach einer Lösung zu suchen.

Die Lösung heisst: neues Zelt. Es ist perfekt. Gross genug, um Abends noch darin Karten zu spielen und das Gepäck zu deponieren. Sobald es dämmert, befindet man sich nämlich lieber hinter einem Mückennetz. Hab ich schon erwähnt, dass diese Mistviecher einen fast fressen? Auf jeden Fall sind wir schon ziemliche Proficamper. Den ersten Kaffee auf unserem Gaskocher haben wir auf jeden Fall sehr genossen. Nach dem (nicht mal so teuren) Walmart-Einkauf, das Zelt hat 100 Dollar gekostet, beobachteten wir noch ein bisschen das Treiben der Squirrels auf unserem Campingplatz und nahmen dann den Bus nach Downtown in San Antonio. Dort flanierten wir durch den Riverwalk, der zwar ganz hübsch, aber auch ziemlich bevölkert ist.

In einem Restaurant am Riverwalk assen wir dann ein ziemlich teures Mittagessen, aber die Margaritas hielten, was die Shirts der Angestellten versprachen: „Margaritas so good, you won’t remember Alamo“. Alamo ist eine zum Fort umgebaute Mission, die mitten in der Stadt steht. Der Drink löste sein Versprechen ein. Ein war nach dem leckeren Gesöff so pläm, dass ich das Alamo nicht mehr anschauen mochte. Jä nu, machen wir dann morgen. So, jetzt haben wir gerade fertig gegessen, jetzt geht’s ab ins Zelt, Karten spielen.

Ausgaben total: $240.18

Gefahrene Meilen: 9.9

Montag, 10. April 2017 - San Antonio TX

Heute wurden wir das erste Mal „verschiffet“. Aber nur ganz kurz zum Glück. Da kam ein heftiger Platzregen und fünf Minuten später war alles wieder vorbei. Ausser der enorm hohen Luftfeuchtigkeit (89%) war schon kaum mehr was zu merken vom Regen. Die Wetterprognose sieht leider nicht gerade goldig aus, aber wir warten einfach mal ab. Johann und ich hatten heute eine erste kleine Auseinandersetzung. Er befürchtet, dass die Reise zu viel wird und plant schon vorsorglich, ein paar Tage an einem Strand rumzuplüttern. Ich weiss auch nicht, weshalb mich die Aussage so genervt hat, schliesslich kann es ja durchaus sein, dass wir mal ein, zwei Tage Auszeit vom Reisen brauchen. Aber irgendwie habe ich Angst, kostbare Reisezeit zu vergeuden und es nervt mich tierisch, dass er jetzt schon von Auszeit redet, wo wir erstens noch so gut wie gar nix gesehen haben und zweitens kaum Meilen gefahren sind. Ja ich weiss. Ich bin schrecklich. Naja, da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als einfach jeden Tag für sich zu nehmen.

Heute haben wir das Alamo angeschaut. Das war echt ziemlich eindrücklich. Das Alamo markiert den Anfangspunkt in der Geschichte von Texas, als die Texaner, die zu Mexico gehörten, das Fort angriffen, um Unabhängigkeit zu erlangen. Daher kommt auch der Schlachtruf „Remember the Alamo!“. Das Alamo wurde übrigens von Frauen vor dem Verfall gerettet, den Töchtern Texas‘.

Nach dem Besuch dieser historischen Stätte flanierten wir über den fast menschenleeren Riverwalk. Nach einem leckeren und kalorienreichen Mittagessen gingen wir noch etwas auf Shopping- und Entdeckungstour, bevor es dann mit dem Bus wieder nach Hause ging. Übrigens ist es erschreckend, wie viele Veteranen, vor allem Vietnamveteranen unterwegs sind. Häufig sehen sie auch ziemlich gezeichnet und verwahrlost aus. Das gibt uns schon zu denken. Klar, man wusste ja schon im Voraus, dass es in Amerika Veteranen gibt, weil es ja auch ein kriegsführendes Land ist, aber dass es so viele sind. Und dass man das Gefühlt kriegt, sie würden einfach so „hängengelassen“… Da ist man dann schon extrem froh, in einem so friedlichen Land zu leben.
 
Ausgaben total: $81.25
Gefahrene Meilen: 0

Dienstag, 11. April 2017 - San Antonio TX nach Bandera TX

Unser Tag begann ziemlich verregnet. Allerdings wollten wir uns davon nicht die Laune verderben lassen und wollten erst mal ordentlich frühstücken. Doch dann ging uns das Gas des Gaskochers aus. Naja, wenigstens für das Kaffeewasser hat es noch gereicht und immerhin war es gerade trocken – dachten wir, als gerade der nächste Platzregen über uns niederging. Aber da wir ja nun schon Proficamper sind, gab es dann in unserem neuen Zelt Kaffee und Cheerios. Als der Regen dann nachliess, bauten wir unser Zelt ab und verliessen unseren tollen KOA Campground.

Als erstes schauten wir uns die Mission San José in der Nähe von San Antonio an. Sie markiert ein bisschen die Anfänge der heutigen Kultur. Beziehungsweise wurde damals sogar eine neue Kultur geschaffen, denn die spanischen Franziskanermönche bekehrten und missionierten die Indianer, die aus Angst vor der europäischen Grippe Schutz innerhalb der Mission suchten.

Es war schon traurig, die Geschichte von diesen Völkern zu hören, die über Jahrtausende ihr Leben lebten und damit glücklich und zufrieden waren und dann innerhalb eines Jahrzehntes alles aufgeben mussten. Aber so ganz liessen sich die Indianer dann ihre Kultur doch nicht nehmen. Manchmal schlichen sie sich hinaus, um ihre Rituale durchführen zu können. Auch traurig ist übrigens, dass die Indianer (die vom Aussehen her übrigens den Mexikanern glichen) nur zu den Missionen kamen, um Schutz vor den europäischen Viren zu suchen, die bereits ganze Völker und die grössten Teile der noch bestehenden Völker ausgelöscht haben. Doch die Missionen nahmen ihnen nur ihre Kultur, denn vor Krankheiten wurden sie nicht geschützt. 70% der Missionsindianer starben.

Es war wirklich bedrückend, durch die alte Mission zu spazieren, aber andererseits konnte man nicht anders, als die Bauwerke zu bestaunen. Aber um zurück auf den Punkt zu kommen: Durch die Missionierung entstand eine neue Kultur, die bis heute besteht und die es nur in Südtexas gibt – die Mischung zwischen Katholiken und indogenen Völkern.
 
Nach dieser eindrücklichen Erfahrung gingen wir im Pizza Hut essen, weil das das Lieblingsfastfood-Restaurant vom Schwiegermami ist. Allerdings war diese Erfahrung dann weniger eindrücklich. Danach ging es dann weiter nach Bandera, wo wir für zwei Nächte ein Hüttchen auf einer Ranch gebucht haben. Die ersten Eindrücke waren ziemlich ernüchternd. Anders als auf der Homepage versprochen, ist es ein absolutes Touriding. Heute Abend konnte man auf ein Longhorn sitzen und sich fotografieren lassen. Das ist für mich schon fast Tierquälerei, obwohl das Tier seelenruhig dagestanden und zufrieden Gras gezupft hat. Aber trotzdem.

Das Abendessen war ein totaler Reinfall. Hier sitzen alle zusammen an Tischen, das Essen wird dann in Schüsseln auf den Tisch gestellt und jeder kann sich selbst bedienen. Wir sitzen mit einer Familie am Tisch, die wie Tiere über das Essen herfallen, alles Essen auf die Teller schmeissen, alle Schüsseln horten und absolut keine Essmanieren besitzen. Die essen mit den Händen, schmatzen, rülpsen eklig und das halbe Essen landet entweder neben dem Teller oder am Boden. Gegessen wird nur, was ihnen schmeckt und der grösste Teil von dem Essen, das noch nicht am Boden gelandet ist, wird einfach in die Küche zurückgegeben. Von dem leckeren und üppigen Abendessen habe ich bis auf hart erkämpften Salat und einem super leckeren Stück Fleisch nicht abgekriegt. Aber „jetz haut“. Geben wir dem Ganzen morgen noch eine Chance. Johann hat übrigens einen ganz schlimmen Stich an der Hand abgekriegt, die ist riesig und pickelhart. Wir behalten’s im Auge.

 

 

Ausgaben total: $57.04

Gefahrene Meilen: 69.7

 

So meine Lieben, das war der erste Teil meines Reisetagebuchs. In einer Woche schon so viel erlebt - und es kommt noch mehr, das verspreche ich euch! Begleitet mich in meinem nächsten Reisebeitrag auf meinem wilden Ritt durch Texas, entdeckt mit mir Louisiana und lasst uns gemeinsam in New Orleans einen Big Easy schlürfen!

 

Herzlichst

Scarlet Rose


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