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Voll auf den Kürbis

Herbst, ich könnte jubeln! Ich bin so was von ein Herbstkind. Hach, was bin ich doch glücklich, wenn mein Thermometer sich langsam von dem Bereich verabschiedet, in  dem ausser meinen Schweissdrüsen nichts mehr auf Hochtouren läuft und sich in den Bereich verschiebt, in dem ich meine Welt durch eine rosarote - pardon, durch eine warm leuchtende, orange-gelbe - Brille sehe.

 

Jetzt beginnt meine Jahreszeit. Denn es sind nicht nur die Temperaturen, die mich glücklich machen. Obwohl diese selbstverständlich einen beträchtlichen Teil zu meinem Wohlbefinden beitragen. Es sind die langen Wanderungen durch die farbenprächtige Natur, das warme, golden leuchtende Sonnenlicht, die silbrigen Nebelschwaden, die am Morgen über den Feldern hängen und die ersten, mystische Vorboten von gemütlichen Tagen auf dem Sofa (senfgelb, what else. Hab ich schon erwähnt, dass ich alle Herbstfarben liebe?) bei Tee, Kaminfeuer und einem guten Buch sind.

Der Herbst ist eine Zeit der Vielfalt, der Farben und in meinem Fall: der Völlerei. Nicht gerade im todsündigen Bereich zwar, aber den Düften und Geschmäckern des Herbstes kann ich partout nicht widerstehen. All die süssen Früchte, die nur darauf warten, zu Kuchen und Konfitüre verarbeitet zu werden, das Gemüse, die Nüsse, die Gewürze - sie scheinen förmlich nach mir zu rufen. Fertig Grillsaison - jetzt wird es wieder ein bisschen anspruchsvoller und vielfältiger in der Küche. Der Grill hat Pause, dafür läuft der Backofen jetzt auf Hochtouren.

 

Wie der fleissige Leser meines Blogs vielleicht schon erahnen kann, schlagen bei mir zwei Herzen in der Brust. Bin ich in einigen Lebensbereichen Schweizerin durch und durch, so sehne ich mich in vielen anderen Bereichen nach ein bisschen Amercian Spirit. Und mit meiner Esskultur halte ich es ebenso. Nichts geht für mich über Raclette, Rösti und Vermicelle. Aber zwischendurch darf es nur zu gerne ein Rezept aus meiner Herzensheimat sein. Und damit meine ich nicht Burger. Denn die amerikanische Küche hat so viel mehr zu bieten, als nur Fleisch (BBQ), Fleisch zwischen Brot (Philly Cheesesteak oder Burger) oder zur Abwechslung mal frittiertes Fleisch (Chicken Wings).

 

Ich denke da an würzige Frühstückspfannen mit Avocado, an Gumbo oder Jambalaya, an Bananenbrot ooooooder - "Trommelwirbel" - an alles, was irgendwie mit Kürbis zu tun hat. Die Amis backen damit Kuchen, Cupcakes oder Torten, machen daraus Suppe, Salat oder Brot, pürieren ihn und machen Mus, Konfitüre oder Butter daraus, höhlen ihn aus und schnitzen Gesichter rein (ah sorry, falscher Blogbeitrag - hier lang, wenn du auch gerne einen sexy Halloween-Kürbis hättest) und sie schmeissen sogar künstliche Aromen in den Kaffee und nennen das dann "Pumpkin Spiced Latte".

Um aber bei der Wahrheit zu bleiben, betrete ich die Küche eigentlich nur, um meinen Mann beim Kochen anzuschmachten. Oder mir einen Drink zu mixen. Und ab und zu lege ich mir meine Schürze um und schwinge meinen Backlöffel. Und wenn meine Küchenwaage glüht, der Backofen im Dauereinsatz ist und die Küche aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen, dann... ja dann ist Herbst. Und weil der Kürbis im Herbst Saison hat und mich alleine die Farbe dieses Fruchtgemüses (wirklich wahr, könnt ihr auf Wikipedia nachlesen) magisch anzieht, wird mein erstes Herbstrezept eine:

Schokoladen-kürbis-torte

Weil ja eben, wie schon erwähnt, die Amerikaner unglaublich auf dieses orange Gewächs abfahren, verwundert es auch nicht, dass ich mich für ein Rezept von Übersee entschieden habe. Für das Originalrezept klickt einfach hier. Da wir Kontinentaleuropäer aber über andere Masseinheiten verfügen, hab ich mir erlaubt, die Mengenangaben entsprechend anzupassen und nach meinem Gusto ein bisschen zu verändern. Spoiler: Ich mag Puderzucker nicht so doll. Zumindest nicht tassenweise.

Los geht's! Starten wir mit dem Kürbispüree:

Bei uns im Supermarkt gibt es Apfelmus, Birnenkompott und sogar Kartoffelbrei. Aber Kürbispüree habe ich vergeblich gesucht. Macht aber nix, denn ich mag es sowieso lieber, wenn alles möglichst frisch ist. Und so ein leckeres Kürbispüree gibt auch gar nicht mal so viel zu tun.

Du brauchst:

Ein Speisekürbis in der Grösse deiner Wahl.

(Mein Kürbis wog ca. 1100 Gramm, was 350 Gramm Kürbispüree ergab)

 

Vom Kürbis zum Püree:

1. Heize den Backofen auf 190° Celsius (Ober- und Unterhitze) auf

2. Lege dein Backblech mit Backpapier (unten) und einer Schicht Alufolie (oben) aus

3. Schneide deinen Kürbis in Viertel. Pass dabei auf, dass du dir keinen Finger absägst oder dich aus Versehen mit dem Messer erstichst. Glaub mir, das war für mich die grösste Herausforderung!

4. Nun schiebst du die Kürbisviertel in den Backofen und ziehst dir eine Folge deiner Lieblingsserie rein, während deine Kürbisse langsam weich gebacken werden. In Zahlen gesprochen heisst das, dass dein Kürbis ungefähr 50 - 60 Minuten im Backofen bleibt. Es lohnt sich aber, gegen Ende der Backzeit immer mal wieder einen Blick in den Ofen zu werfen und sicherzugehen, dass der Kürbis keine braune Kruste bildet. Selbstverständlich kommt es auch ein bisschen darauf an, wie gross dein Kürbis ist. Je grösser, desto länger braucht er im Backofen. Klingt logisch, oder?

5. Wenn das Fruchtfleisch - oder sagt man jetzt Fruchgemüsefleisch? - schön weich ist, das Backblech rausnehmen und die nächste Folge deiner Lieblingsserie starten.

6. Nun sollte alles schön abgekühlt sein und wir können uns ans pürieren wagen. Löse dazu das Fruchtfleisch von der Schale. Ich habe zusätzlich auch die etwas angetrocknete Haut abgezogen. Die ist zwar absolut essbar, aber ich wollte keine Stückchen im Püree haben. Die Haut habe ich dann in Streifen geschnitten und als Garnitur über meinen Salat gestreut - sieht toll aus und schmeckt lecker!

7. Nun mixt du alles zu einem einheitlichen Brei. Nimm dafür am besten einen Pürierstab. Es ist nicht unbedingt empfehlenswert, das Fruchfleisch in einem Shakemixer zu einem Brei pürieren zu wollen. Denn es ist wirklich verflucht mühsam, den Brei dann zwischen den Rotiermessern hervorzupulen. Wenn du nichts dergleichen zur Hand hast, dann versuch es doch einfach mit einer Gabel. Das klappt bestimmt auch irgendwie.

8. So, fertig ist dein frisches Püree. Du kannst es in einem Weck- oder Konfitüreglas ungefähr eine Woche im Kühlschrank aufbewahren. Grundsätzlich würde ich es aber gleich weiterverwenden, zum Beispiel für die leckere Schoko-Kürbis-Torte im nächsten Schritt!

Nun geht's ans Törtchen:

Für eine bzw. zwei 20cm-Springform benötigst du:

  • 180 Gramm Mehl
  • 100 Gramm Kakaopulver
  • 2 Teelöffel Backpulver
  • 1 Teelöffel Natronpulver
  • 0.5 Teelöffel Salz
  • 120 Milliliter Buttermilch
  • 250 Gramm Kürbispüree
  • 2 Teelöffel Vanilleextrakt
  • 170 Gramm Butter
  • 150 Gramm brauner Zucker
  • 150 Gramm weisser Zucker
  • 3 grosse Eier
  • 1 Eigelb

Für die Füllung benötigst du:

  • 170 Gramm Frischkäse
  • 100 Gramm Puderzucker
  • 50 Gramm Kürbispüree
  • 0.5 Teelöffel Zimt
  • 0.5 Teelöffel Vanilleextrakt
  • 250 Milliliter Vollrahm
  • 1 Päckchen Sahnesteif
  • orange Lebensmittelfarbe

Für die Glasur benötigst du:

  • 120 Gramm Zartbitterschokolade
  • 1 Teelöffel Butter
  • 3 Teelöffel flüssiger Honig
  • 120 Milliliter Vollrahm

Tortenböden

1. Wir heizen den Backofen auf 200° Celsius vor, Ober- und Unterhitze. Dann legen wir zwei Springformen mit einem Durchmesser von 20cm mit Backpapier aus und fetten sie mit ein bisschen Butter ein.

2. Nun sieben wir das Mehl, das Kakaopulver, das Backpulver, das Natron und das Salz in eine Schüssel und mischen die Zutaten mit einem Löffel untereinander.

3. In einer separaten Schüssel mixen wir die Buttermilch, das Kürbispüree und den Vanilleextrakt zusammen.

4. In einer weiteren Schüssel (freut euch auf den Abwasch) mixen wir die Butter mit dem braunen und weissen Zucker und schlagen die Masse mit dem elektrischen Rührgerät, denn wer will so was schon von Hand machen, bis sie hell und leicht schaumig ist. Nun die drei Eier und das zusätzliche Eigelb eins nach dem anderen beigeben und unterrühren. Jetzt die Geschwindigkeit des Mixers auf die kleinste Stufe reduzieren und abwechslungsweise einen Drittel der Mehlmasse und einen Drittel der Buttermilchmasse unterrrühren, bis alles schön miteinander verbunden ist.

5. Nun verteilst du den Teig gleichmässig auf die beiden Formen und schiebst ihn in den Ofen. Um zu testen, ob der Tortenboden gut durchgebacken ist, machst du den Stäbchentest. Dazu einfach ein Stäbchen in die Mitte des Teiges stecken und wieder rausziehen. Ist das Stäbchen sauber, ist der Tortenboden fertig. Ist es allerdings noch mit Teig verschmiert, musst du dich noch etwas gedulden und den Stäbchentest später wiederholen. Die Richtzeit für die Tortenböden liegt bei ungefähr 35 Minuten.  Wenn du den Teig nur in einer Form bäckst und die Böden dann später auseinanderschneidest, benötigst du bestimmt länger. Lass die Tortenböden nach dem Rausnehmen dann gut auskühlen.

Füllung

1. Vermische den Frischkäse mit dem Puderzucker, dem Zimtpulver und dem Vanilleextrakt. Gib dann das Kürbispüree dazu und mixe alles, bis es eine gleichmässige, fluffige Masse gibt.

2. Nun wirds farbig: Schlage den Vollrahm zusammen mit einem Päckchen Rahmfestiger und der Lebensmittelfarbe zu einer leuchtend orangen Sahnewolke auf.

3. Wenn der Rahm schön fest ist, hebe ihn sorgfältig unter die Käse-Kürbismasse, bis eine gleichmässige Füllung entsteht.

4. Nun die Masse zwischen die beiden abgekühlten Tortenböden verteilen und mit der restlichen Masse die Torte aussen eindecken. Dann für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.

Glasur

1. Zu guter Letzt dann noch die Glasur. Dafür einfach den Rahm kurz aufkochen, die Schokolade, den Honig und die Butter hineingeben und alles zu einer klümpchenfreien Masse verrühren. Kurz abkühlen lassen (ca. 3 Minuten), dabei zwischendurch kurz umrühren. Dann über die Torte giessen und schön über die Ränder abtropfen lassen.

2. Nun kommt der schwierigste Teil am Tortenbacken: Warten. Stelle die Torte noch einmal für 30 Minuten in den Kühlschrank, damit die Glasur schön aushärten kann und die Füllung beim Essen angenehm kühl auf der Zunge vergeht. Halte durch, du packst das! In der Zwischenzeit kannst du ja schon mal mit dem Abwasch beginnen.

So, meine Torte ist gekühlt, mein Abwasch erledigt - ich verabschiede mich dann mal für ein kurzes Torten-Momentchen auf meine Couch!

 

Herzlichst und mit Schokolade verschmiert

 

Scarlet Rose


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