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Von Pink Ladies und heissen Raketen

Wie bei vielen anderen begann meine Reise in die Vergangenheit und gleichzeitig in mein heutiges Leben mit einem Kultfilm, der seinesgleichen sucht: Grease! Schon als ziemlich kleines Mädchen habe ich die Platte von Grease aufgelegt, mir eine pinke Decke über die Schultern geworfen und bin mit übertriebenem Hüftewackeln über den imaginären Campus marschiert. Ich habe zusammen mit Sandy meine erste (Kaugummi-)Zigarette geraucht und geübt, sie genau so sexy mit viel zu hohen Schuhen auszudrücken. Dass ich mir dabei nicht den Hals gebrochen habe, verwundert mich heute noch.

Als ich ungefähr 12 Jahre alt war und langsam in die Pubertät kam, habe ich mich ungemein von der Eleganz und dem Stil von Marty Maraschino beeindrucken lassen. Vielleicht liegt es daran, dass ich genau zu dieser Zeit meine erste Brille gekriegt habe und es mich getröstet hat, dass Brillen durchaus auch schön sein können. Eine so tolle Cateye-Brille mit Diamanten drauf habe ich bis heute noch nicht in meinem Besitz, aber ich arbeite daran. 

 

Ungefähr ein Jahr später habe ich dann die Fortsetzung von Grease geschaut. Und obwohl ich den Film als einen ziemlichen Abklatsch empfunden habe, so habe ich ihn doch immer und immer wieder geschaut. Ich habe mich so sehr in der wilden, freiheitsliebenden Stephanie wiedererkannt, die sich nichts sehnlicher wünscht als einen Cool Rider, der nächtelang mit ihr über die unendlichen Highways prescht und böse Jungs mit dem Motorrad vermöbelt. Stephanie, die zwar die taffe Anführerin der Pink Ladies war, sich jedoch den Regeln und den Gepflogenheit dieser frühen Girl Gang nicht beugen mochte und immer wieder für Radau gesorgt hat. Gesangstechnisch war ich übrigens immer hin und weg von Paulette aus Grease 2. Da kann meiner Meinung nach auch nicht die glockenklare Stimme von Sandy (Olivia Newton John) mithalten. 

 

Nun, ich schweife ab. Was ich eigentlich erzählen wollte, ist, dass ich mich über die Jahre immer wieder in anderen Charakteren aus diesen beiden Filmen wiedergesehen habe. Sogar in Sandy habe ich viele Parallelen zu mir entdeckt. So stehe ich nicht gerne im Mittelpunkt und tue mich manchmal furchtbar schwer, auf andere zuzugehen. Ich bin wirklich alles andere als cool. Trotzdem mag ich mich nicht gerne unterordnen und bin eigentlich ganz gerne diejenige, die den Ton angibt. Hinterherlaufis und Wackeldackel mag ich aber trotzdem nicht. Passt nicht zusammen? Na dann, willkommen in meiner Welt.

Als ich im letzten Herbst angefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, ein Rocket Babe zu werden, war mein erster Impuls dann auch, nein zu sagen. Da hat meine innere Steph durchgedrückt. Ich und ein ganzer Haufen Mädels, die dann alle dieselbe Jacke tragen und Mädelsdinge machen, die gewissen Regeln und Aufgaben folgen, die eben ein Rocket Babe zu erfüllen hat? Ganz sicher nicht. Ich pack mir lieber meinen Cool Rider und lasse mich in meiner schwarzen Lederjacke auf seiner Harley entführen. 

 

Dann hat aber meine innere Frenchie durchgedrückt. Ich könnte ja einfach mal ganz unverbindlich an ein Treffen und hören, was die Ladies so zu sagen haben. Und die Jacken sind ja schon ziemlich toll. Also. Saucool, um ehrlich zu sein. Gedacht, getan. Ich hab also am ersten offiziellen Treffen dieser neuen Girl Gang teilgenommen. Und ich war furchtbar nervös. Plötzlich war nichts mehr von Steph übrig. Nicht einmal mehr von Frenchie. Da war nur noch Sandy in mir. Und dann kam ich zur Tür rein und sah da diese unglaublichen Raketen (aaaaahaaaaa, daher der Name!) sitzen. Am liebsten hätte ich auf dem Absatz kehrt gemacht. Wenn nicht meine gute Freundin Bixi (ihr kennt sie bereits von dem tollen Interview, das ich mit ihr führen durfte) mich regelrecht zur Tür reingeschubst hätte, wäre ich heute kein Rocket Babe. Och nein, jetzt habe ich schon das Ende verraten. Sorry dafür!

Danke Liebes, für deine Geduld mit mir und den Tritt in den Allerwertesten, den ich gebraucht habe :-)
Danke Liebes, für deine Geduld mit mir und den Tritt in den Allerwertesten, den ich gebraucht habe :-)

Es gab dann eine Vorstellungsrunde. Jede der Frauen brachte unglaublich gute Gründe dafür vor, weshalb sie ein Rocket Babe sein will. Ich hab ehrlich nur mit einem Ohr zuhören können, denn ich hab mir die ganze Zeit überlegt, was ich denn sagen sollte. Unter normalen Umständen hätte ich nie den Mut aufgebracht, schon nur eine der Ladies anzusprechen. Und jetzt soll ich einer ganzen Runde Powerfrauen erklären, weshalb ich ein Rocket Babe sein will? Jap, ich hab's dann auch verkackt, in dem ich ungefähr genau das gesagt habe: "Eigentlich bin ich nur hier, weil ich eingeladen wurde. Im richtigen Leben hätte ich mich nie getraut, mit euch zu sprechen". Oh mein Gott. Geht es denn eigentlich noch schlimmer? Her mit dem Fettnäpfchen, ich falle gerne hinein. Ich hab darauf gewartet, dass ich mit einem Fusstritt zur Tür rausbugsiert werde und hab mir schon die Zugverbindungen in Gedanken gerufen, als die Mädels dann anfingen, zu lachen und mich zu herzen und "sooo süüüss" zu sagen. Ich dachte schon, die seien alle verrückt geworden. Haben sie denn nicht zugehört? Aber nein, ich glaube, mich fand einfach wirklich niemand lächerlich. Ausser ich mich selbst. 

 

Am Ende des Abends wurde ich dann offiziell als ein Rocket Babe aufgenommen. Was ich dabei gefühlt habe? Leichte Unsicherheit. Immer noch. Ich und so viele Frauen? Wie soll das denn gut kommen? Das war eine Ansammlung von unglaublich schönen, erfolgreichen Frauen. Tänzerinnen, Models, Unternehmerinnen. Und ich.

   Kelly aka Miss Bonnie K
Kelly aka Miss Bonnie K

Mittlerweile bin ich seit vier Monaten mit dabei und wenn ich ganz ehrlich sein soll, hadere ich manchmal immer noch ein bisschen damit, Teil einer Gruppe zu sein. Was für viele die Erfüllung ihres Soziallebens ist, ist für mich manchmal eine Herausforderung. Ich bin ein Eigenbrötler und ein Mini-Einzelgänger. Meinen Individualismus ist für mich etwas vom Wichtigsten. Ich kann es ja schon nicht ausstehen, wenn jemand dasselbe Kleid trägt wie ich. Deshalb nähe ich viele Klamotten auch ganz einfach selbst. Und jetzt bin ich Teil einer Gruppe, in der ich mit meiner zurückhaltenden Art nicht gross auffalle. 

 

Gerade von Menschen, die meine Art kennen, werde ich oft darauf angesprochen, weshalb ich für solche Girl Gangs überhaupt zu haben sei. Nun, die Antwort ist im Grunde ziemlich simpel. Von aussen werden wir vielleicht als eine Gruppe von oberflächlichen Mädels wahrgenommen, die ihre Grease-Fantasie ausleben und nebenbei noch Werbung machen für den 50s Rocket (oh, habt ihr übrigens schon Tickets?). Andere geniessen vielleicht auch einfach den Anblick, wenn so wunderschöne Frauen wie Zoe Scarlett, die übrigens unsere Gründerin und Organisatorin des 50s Rocket ist, oder Betty Raven auf der Bildfläche erscheinen. Und wieder andere sind vielleicht sogar ein bisschen neidisch und möchten unbedingt auch dazugehören.

Doch was alle Aussenstehenden nicht wissen, ist, wie gross die Herzen dieser Frauen sind. Als ich meinen Rücktritt als Rocket Babe geben wollte, weil ich wegen dem Todesfall von meinem Vater und allem, was damit zusammenhängt, einfach keine Zeit habe, die Interessen der Rockets zu vertreten, wurde dieser Rücktritt schlichtweg nicht akzeptiert. Zoe meinte, eine Freundin lasse man nicht hängen, wenn sie schwere Zeiten durchmache. Und genau das seien wir Rocket Babes: Freundinnen. Ehrlich, ich hab geheult wie ein kleines Baby, denn gerade in schwierigen Zeiten wie diesen fühlt man sich manchmal wirklich ein bisschen alleine. In selbstmitleidigen Stunden vielleicht sogar so, als würde die Last der Welt auf den eigenen Schultern lasten. Und genau in solchen Momenten gibt es für mich nichts Schöneres, als meine knallrote Rocket-Jacke anzuziehen, ein bisschen Lippenstift aufzulegen und mich vom Gefühl, einer tollen Gruppe anzugehören, einlullen zu lassen. Dann stört es mich auch nicht mehr im geringsten, dass man von aussen her meine Individualität nicht mehr sieht. Denn ich weiss genau, dass meine Mädels diese sehr wohl sehen, so wie ich ihre Individualität sehe.

Anna aka Betty Raven, Bild von www.nili-photography.ch
Anna aka Betty Raven, Bild von www.nili-photography.ch

So haben wir zum Beispiel den Goldschatz Kelly, die eine solche Lebensfreude und Herzlichkeit ausstrahlt, das man nicht anders kann, als sie einfach zu mögen. Wenn Kelly lacht, dann hat man das Gefühl, dass die ganze Welt lacht. Oder Betty. Wenn sie einen Raum betritt, dann wird alles ein bisschen glamouröser und heller. Aber was ich an ihr wirklich mag, ist ihre sensible Art und wie gefühlvoll sie ist. Dann haben wir unsere Foxy Lady Nicole. Ehrlich, was würde ich geben, um so auszusehen, wie sie. Diese Frau ist wirklich das, was ich als Rakete bezeichne. Aber wenn man mit ihr einen Abend verbringt, dann wird man nicht von ihrem schönen Aussehen in den Bann gezogen, sondern von ihrer Intelligenz. Dann ist da Zoe. Sie ist so anders, als man anhand von Bildern und Auftritten denken mag. Klar, sie sieht aus wie das Sexsymbol schlechthin, aber sobald sie den Mund aufmacht, merkt man, wie bodenständig und herrlich selbstironisch und lustig sie ist. Aussehen: PinUp, Charakter: Schrauberin mit riesigem Herz und ähnlich grossen Brüsten. Sorry Zoe, aber das muss einfach mal gesagt sein *lach*.

Ich könnte über alle diese Frauen sooo viel erzählen und stundenlang schwärmen. Über die Wucht von Bixi, denn sie ist genau das: eine Wucht. Genau wie Marny. Diese beiden tollen Frauen begleiten mich schon seit längerer Zeit in meinem Leben, wofür ich so dankbar bin. Oder Martina, die mit ihrem Lachen einfach alle ansteckt. Über Mel, die Energie für 10 zu haben scheint. Lea, die mir als gelernte Schneiderin schon mehr als einen Tipp gegeben hat und jeden Abend so kurzweilig macht. Dann sind da die Freundinnen Ruby und Seline. Diese zwei sind einfach ein unschlagbares Team. An ihnen schätze ich besonders ihre Tierliebe. Dann haben wir Irene, die den Glamour des Burlesque in sich aufzusaugen scheint. Und dann unsere Nadia. Ein Abend mit ihr wird immer einer mit guten Gesprächen. Und Maizie. Sie hat eine so liebe Ausstrahlung. Zu gerne möchte ich mit ihr einmal ein Bierchen trinken und über Gott und die Welt reden. 

 

Kurze Anmerkung am Rande: Die Aufzählung der Namen oder die Anzahl der Adjektive, die ich bei der Beschreibung benutzt habe, steht in keinerlei Zusammenhang mit meinen Gefühlen. Ich führe kein inneres Lieblings-Rocket-Babes-Ranking, weil einfach alle toll sind. Ich liebe sie alle!

 

Und falls sich jetzt wirklich immer noch jemand fragt, weshalb ich bei den Rocket Babes bin: Als ich erwähnt habe, dass wir unsere alte Wohnung im Februar putzen und an die Vermieter zurückgeben müssen, meinte Kelly, dass sie gleich am nächsten Tag einen Aufruf unter den Rockets starte, um zu fragen, wer mir alles beim putzen hilft. Ich hätte ja sonst schon genug Stress, da könnte man ja da zumindest helfen. Und neeeein, ich bin selbstverständlich nicht bei den Rockets, damit sie meinen Dreck wegmachen können. Aber überleg dir einfach mal ganz im Stillen: bei wie vielen Menschen, die du erst seit ein paar Monaten kennst oder auch bei Freunden, die du schon lange kennst, würdest du dich freiwillig melden, deren Wohnung zu putzen? Die Rockets würden es für mich tun und ich für sie. Und deshalb bin ich ein ROCKET BABE und stolz darauf! 

P.S.: Alle Fotos wurden mit Genehmigung der Models veröffentlicht.

 

P.P.S: Die Rocket Mams wurden zwar nicht namentlich oder bildlich erwähnt, sind jedoch ein wichtiger Bestandteil der Rockets!

 

P.P.P.S: Alle gemachten Aussagen sind nicht wertend gemeint sondern entsprechen meiner persönlichen Empfindung.


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Kommentare: 1
  • #1

    Marny (Donnerstag, 21 Februar 2019 19:03)

    WOW!!!
    sprachlos.......und das ist bei mir kaum möglich ;o)