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Reisetagebuch Woche 3: Von lachenden Alligatoren und Whiskey

Lang lang ist’s her, seit ich euch das letzte Mal von meiner Reise in die Südstaaten geschrieben habe. Generell war es in den letzten Monaten eher ruhig auf meinem Kanal, was mir übrigens kein bisschen leid tut 😊 Es gibt sie einfach, diese Momente, in denen das Leben zu intensiv ist, als dass man die Ruhe hätte, an den Computer zu sitzen und in die Tasten zu hauen. Doch jetzt kommt sie wieder, diese Jahreszeit, in der man nicht nur im Ohrensessel vor dem Kamin sitzt und über eine Strickarbeit immer mal wieder in das Feuer linst, es ist auch die Zeit, in der man an verregneten Tagen Recherchen betreiben, Rezepte ausprobieren und Artikel schreiben kann. Oder aber man träumt sich zurück in eine Reise an einen weit entfernten Ort, an dem die Sonne für uns fast ununterbrochen schien und unsere Welt für zwei wunderschöne Monate einfach perfekt im Lot war:

Mittwoch, 19. April 2017 - New Orleans LA

Heute konnten wir unsere Swamp-Tour nachholen und es war einfach perfekt! Das Wetter war wunderbar warm, der Captain war unglaublich witzig und hat uns viel über seine Heimat, die Swamps, beigebracht. Es war so schön zu sehen, wie sehr er dieses Bayou liebt und wie stolz er auf seine Herkunft ist. Die Sümpfe waren wunderschön. Das satte Grün und die lila Blüten, und das alles gleich neben dem trüben Wasser. Und jetzt kommt das Highlight: Wir haben ganz viele Alligatoren gesehen! Die waren so nah, dass sie unser Boot berührt haben. Unser Captain, der übrigens Cajun ist, hat sie mit Geräuschen angelockt. Erst sahen wir “nur” einen kleinen Alligator, aber im nächsten Sumpfarm kamen dann gleich drei auf uns zu. Der grösste war knapp drei Meter lang. Unser Captain konnte ihn berühren, allerdings ist das Tier dann erschrocken und auf Sicherheitsabstand gegangen. Als der Captain dann noch mit einem Baby-Alligator ankam, war es um Johann geschehen. Das kleine Ding hat ihm sofort den Kopf verdreht. Sie sind aber auch süss. Sie sehen aus, als würden sie lächeln. Und sie sind sehr friedlich. Es ist noch kein Fall bekannt, in dem ein Alligator einen Menschen einfach grundlos angegriffen hat. Am Nachmittag haben wir uns dann der weiteren Reiseplanung gewidmet. Wir hinken im Zeitplan etwas hinterher, weil wir uns jetzt zwei Wochen Zeit genommen haben, uns ein bisschen zu erholen. Wenn wir aber alles sehen wollen, was wir geplant haben, müssen wir uns ein bisschen ranhalten. Deshalb opferten wir unseren Nachmittag für die Planung und gingen nicht nochmals in die Stadt. Übrigens hat die ihren Namen allemal verdient. Für das sonst so prüde und strenge Amerika ist hier alles sehr offen und locker. Alkohol, rauchen und Prostitution und das alles auf einer Strasse vereint. Und trotzdem wirkt es nicht liederlich oder billig. Allgemein spürt man hier die Lust am schönen Leben, alles läuft ein bisschen gemütlicher. Ich liebe diese Stadt! 

 

 

Total Ausgaben: $ 160.32 (Swamptour $ 50)

Total gefahrene Meilen: 24.4

Donnerstag, 20. April 2017 - Biloxi MS

Der heutige Tag war gefüllt mit “ersten Malen”. Zum Frühstück haben wir das erste Mal Schoko-Cheerios gegessen (gibt bessere erste Male). Dann haben wir uns auf den Weg gemacht zur Oak Alley Plantation. Mitten auf der Strasse haben sich dann zwei Weisskopfseeadler um ein überfahrenes Tier gezankt. das war echt ein tolles erstes Mal (also nicht das arme, tote Tier. Aber die Adler)! Und dann haben wir den ersten Blick auf unsere erste Plantage erhascht und ich war hin und weg. Sie ist einfach wunderschön, insbesondere die 300-jährigen Eichen haben mich tief beeindruckt. Die Plantage war echt toll hergerichtet. Das Innere des Hauses konnte nur mit einer Führung begangen werden, was ich ja eigentlich nicht soo besonders mag, weil ich gerne in meinem eigenen Tempo durch die Räume wandere und alles auf mich wirken lasse. Aber diese Führung war echt gut. Es war eine junge Frau im Antebellum-Kostüm, die uns durch die Räume geführt und mit ihrer lustigen, lebendigen Art alles zum Leben erweckt hat. Noch mehr gefallen haben mir allerdings die Ländereien mit den 28 Eichen und den Magnolien.

Besonders beschäftigt hat mich die Ausstellung in den Sklavenhütten, in denen der Alltag der Sklaven dargestellt wurde. Dabei wurde nichts vertuscht oder schöngeredet. Es wurden einfach Fakten aufgezeigt. Und die waren heftig. Obwohl die Sklaven der Romans, den Erbauern von Oak Alley, wohl eher zu den besserbehandelten gehört haben (sie bekamen medizinische Versorgung, die Familien konnten ihre Kinder behalten, sie durften eigene Hühner halten zur Ergänzung ihrer Essensrationen), war es ein sehr unglückliches Leben, das die Sklaven führen mussten. Auch, als sie keine Leibeigenen mehr waren, kamen sie häufig nicht von den Plantagen weg, denn anstatt einer Bezahlung in Geld erhielten sie Versorgungsbons, die sie dann im plantageneigenen Laden einlösen konnten. Hatten sie als Sklaven Kost und Logis einfach so gekriegt (quasi als Lebenserhaltung), so mussten sie nun ihre Bons dafür abgeben, die aber ausserhalb der Plantage keinen Wert hatten. So blieb den meisten nichts anderes übrig, als einfach weiter auf den Plantagen zu arbeiten. Dies war allerdings schon nicht mehr zu Zeiten der Romans, denn diese starben beide vor dem Ende des Bürgerkrieges. Was mich erstaunt hat, war, wie viel Geld die Plantagenbesitzer in ihre Sklaven steckten. Oak Alley zählte mit 122 Sklaven nicht zu den grössten Plantagen und hatte dennoch einen “Menschenwert” von fast 300’000 Dollar (zu heutiger Zeit gerechnet). Ausserdem wären die Plantagen gar nicht zu führen gewesen ohne die Sklaven. Man kann also schon verstehen (wenn auch überhaupt nicht gutheissen), weshalb die Südstaatler so an der Sklaverei festgehalten haben. Ohne die Leibeigenschaft steht alles auf dem Spiel. Schlussendlich hat ja dann auch die Abschaffung der Sklaverei zum Niedergang des Südens geführt. In meinen Augen irgendwie fair, weil eine Nation, die ohne die Verknechtung und Ausbeutung von anderen Menschen nicht reüssieren kann, es nicht verdient hat, weiterzubestehen und sogar zu florieren. Andererseits auch unglaublich traurig, weil mit dem Niedergang auch so vieles zerstört wurde, wofür Sklaven geschwitzt, geblutet und gelitten haben und wofür unzählige gestorben sind. Mit diesen schweren Eindrücken und einem gut gefüllten Magen (ich hab jetzt alle 3 Nationalgerichte von Louisiana probiert: Red Beans and Rice, Jambalaya und Gumbo) ging es dann weiter auf unserer Route. Übrigens hab ich jetzt auch noch drei verschiedene Mint Juleps probiert. Nichts für mich, aber ein weiteres erstes Mal auf meiner Liste. :-)

Dann war unsere erste, richtige Fahrt auf der Interstate angesagt, was überraschenderweise echt toll war, weil die Interstate auf Stelzen über den Sümpfen gebaut wurde. Kurz nach der Grenze zu Mississippi haben wir dann auf den Highway gewechselt, wo wir dann erstmal zwei Wildschweinen ausweichen mussten. Und dann sahen wir das erste Mal das Meer. Und besser noch: keine 10 Minuten später hatten wir den weissesten Sandstrand vor uns, den ich je gesehen habe! Da mussten wir gleich anhalten und unsere Füsse im Sand vergraben. Der Moment kurz bevor die Füsse den Sand berühren, die freudige Erwartung, das ist einfach grandios. Und jetzt kommt das beste erste Mal von heute: Johann hat das erste Mal das Meer berührt. Gesehen hat er es zwar schon in Dublin und auf unserer Reise nach Galway, aber da war es immer zu kalt,um dem Wasser zu nahe zu kommen. Er hat ja so gestrahlt, als das Meerwasser zum ersten Mal seine Füsse berührt hat. Einfach zu schön! Eigentlich wollten wir dann auf einem Campground übernachten, aber da hätten wir nur eine Nacht bleiben können, was gerade so gar nicht ins Programm von morgen gepasst hätte, und so haben wir uns ein überteuertes Hotelzimmer genommen, haben dafür aber ein ziemlich gemütliches Zimmer und morgen keinen Stress, nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Ausserdem ist es auch schön, mal im trockenen Bett zu liegen anstelle des feuchten Zeltes (wegen der hohen Luftfeuchtigkeit). Obwohl die Luftfeuchtigkeit das Beste ist für meine Hüfte. Seit ich 13 bin, war ich lange nicht mehr so schmerzfrei. Der wahrscheinlich grösste Luxus, den mir diese Reise geben könnte. Ich bin einfach nur happy! 

 

 

Total Ausgaben: $144.06 (Oak Alley $44.00)

Total gefahrene Meilen: 232.40

Freitag, 21. April 2017 - Biloxi MS

Was für ein wundervoller Tag! Zuerst haben wir uns die Bäuche am Morgenbuffet vollgeschlagen, dann sind wir ins NASA Center gefahren, um dort die Ausstellung zu besuchen. Die war echt der Wahnsinn! Mal abgesehen von den echten Raumanzügen und dem echten Mondgestein und all den vielen, echten Raketenteilen war es die Begeisterung der Angestellten, die ansteckte. Die liefen in der Ausstellung rum und erzählten dir dann mit so einer Freude alles, was du wissen wolltest. Ich hab übrigens einen Reifen berühren dürfen, der im Weltall war! Ich bin fast umgekippt! Und dann durften wir mit einem Bus, der mehr aussah wie eine Mischung aus Geldtransporter und Raumschiff auf das echte NASA-Gelände fahren. Das ist riesig! Eine richtige Kleinstadt inmitten der Bäume! Im Stennis Space Center werden die Motoren getestet. Jedes NASA-Center hat ihre eigene Aufgabe. Dieses hier hat die lauteste gekriegt. Das könne schon mal körperlich wehtun, wenn ein Motor getestet werde, weil er so laut sei. Am Nachmittag hatten wir dann ein weiteres Highlight, als wir eine Tour auf einem Shrimpkutter gebucht haben. Es war eigentlich kein richtiger Shrimpkutter, weil er nicht dazu ausgelegt ist, in grossen Mengen zu fischen, sondern eher um den Besuchern die Shrimpfischerei zu erklären. Das war echt mega spannend! Und weil wir nur zu siebt waren, war es auch nicht so touristisch. Ein Dutzend Austern kosten hier im Restaurant übrigens $12.50. Auch hier war wieder die Begeisterung der Crew zu spüren! Allgemein hat man hier immer das Gefühl, dass die Menschen ihren Job lieben. Später waren wir dann noch in einer Bar, wo wir uns so gut mit dem Barchef verstanden haben, dass mein Margaritha einen Extraschuss Tequila und wir einen Exkurs im Austernknacken erhielten. Das ist echt sauharte Arbeit, diese Muschelschalen aufzubrechen! Einen Sprachkurs in “Alabamisch” haben wir auch noch gekriegt, als Vorbereitung für unsere nächste Tagesetappe: Moubiiiiil (Mobile). 

 

 

Total Ausgaben: $157.41 (NASA: $24.00, Shrimptour: $32.00)

Total gefahrene Meilen: 107.4

Samstag, 22. April 2017 - Lillian AL

Es war ein heftiger Tag heute. Wir hatten wieder mal alles Glück der Welt auf unserer Seite, als wir die USS Alabama, ein Kriegsschiff, das von 1942 bis 1946 diente, besichtigen gingen. Erst haben wir uns ziemlich erschrocken, als wir den gerammelt vollen Parkplatz sahen und bereiteten uns innerlich schon auf “ds grösste Gstungg” vor. Erst, als wir an der Kasse eine Durchsage hörten, war uns klar, weshalb so viele Menschen da waren: die Originalcrew aus dem 2. Weltkrieg war anwesend. Es war quasi ein öffentlicher Veteranentreff auf ihrem alten Schiff. Zu Ehren der Veteranen wurde dann ein Luftangriff von zwei feindlichen Flugzeugen simuliert. Mir ging das alles sehr nah. Auf einem Schiff zu stehen, das mit seiner Besatzung die Schrecken der Welt erlebt hat, das Männer mitnahm und nie zurückbrachte, das aber auch dafür sorgte, dass 22 japanische Kampflugzeuge nicht mehr nach Hause zurückkehrten. Kaum betrat ich das Schiff, wurde ich von meinem Kopfkino geplagt und Vergangenheit und Gegenwart verschmolzen zu einem, denn dieses Kampfschiff war eben auch beides. Ich fragte mich immer wieder, wie es den Veteranen gehen mochte, als sie das Schiff betraten, oder als die Kampfflieger ihren simulierten Angriff starteten und die verkleideten Soldaten mit Platzpatronen auf sie schossen und so einen ziemlichen Kampflärm veranstalteten. Sahen die tapferen Männer vor ihrem inneren Auge erneut ihre Freunde und Feinde sterben? Rochen sie das Schwarzpulver, den Schweiss und die Angst? Oder gar das Blut? Oder waren sie stolz, ein Teil dieser Armee gewesen zu sein? Stolz, den Krieg gewonnen zu haben und froh, wieder zu Hause zu sein? Ich hatte leider nicht die Gelegenheit, mit jemandem darüber zu reden, aber das war auch gut so, denn ich hatte so schon einen ziemlichen Kloss im Hals. 

Das Schiff an sich war riesig. Da konnte man unter Deck kilometerweise Strecken zurücklegen. Auch Flieger waren zur Feier des Tages ausgestellt; Die Dakota (Militärversion der DC3) war auch da. Kleine Notiz am Rande: Johanns nächstes Tattoo soll eine Dakota werden. Ich möchte mir gerne das berühmte Bild des Matrosen und der Krankenschwester, die sich auf dem Times Square küssen, auf der Haut verewigen lassen. Als Zeichen der Liebe und als Symbol gegen den Krieg. Nach dem schweren Brocken Geschichte fuhren wir dann weiter nach Lillian, das ziemlich genau an der Staatsgrenze zwischen Alabama und Florida liegt. Wenn wir auf der Veranda unseres Cabins sitzen, sehen wir nach Florida rüber. Am Abend gingen wir dann nach vorne an den Fischerpier, wo wir uns mit Steve bekannt gemacht haben. Bis in die Nacht sassen wir da zu Dritt und haben geredet und gefischt (er hat Johann eine Rute ausgeliehen). Hier läuft das ganz anders ab als in der Schweiz. Andauernd beissen Fische an, die man dann wieder freilässt. Johann hat drei grosse, welsartige Fische (atlantischer Fächerfisch) herausgezogen. Übrigens haben wir uns mit Steve noch über Trump unterhalten. Das war sehr aufschlussreich. Ich sage nicht, dass ich Trump gutheisse, aber ich kann nun besser nachvollziehen, weshalb sie ihn gewählt haben. Dazu aber vielleicht ein anderes Mal mehr.

 

 

Total Ausgaben: $83.09

Total Meilen: 145.9

Sonntag, 23. April 2017 - Lillian AL

Heute nahmen wir es gemütlich. Um die Mittagszeit rum fuhren wir nach Gulf Shores bzw. Orange Beach, um dort eine Vergnügungsmeile (The Wharf genannt) zu besuchen. Schon auf der Fahrt dorthin haben wir all die tollen Häuser gesehen und wussten, dass hier keine armen Menschen wohnen. The Wharf war dann dementsprechend auch eher für Schnösel eingerichtet. Eigentlich war es nichts anderes, als eine Shoppingmeile an einem kleinen Meeresarm, wo ein paar Jachten vor Anker lagen. Alles, was man kaufen konnte, war denn auch  ziemlich teuer. Trotzdem haben wir den Spaziergang genossen und sind dann noch gemütlich etwas essen gegangen. Und das Essen war echt köstlich! Unsere Ernährung hier ist relativ einseitig, weil wir auf dem Camping halt auch nicht riesige Menüs kochen können und in den letzten Tagen waren wir hauptsächlich auswärts essen. Da gabs dann halt häufig Seafood für Johann und etwas mit Poulet für mich, ab und zu einen Burger oder einmal auch Shrimps. Da war das Menü an der Wharf echt eine mehr als willkommene Abwechslung: 2 Sück Schweinefleisch an einer Art Weinsauce mit Käsemaccaroni und grünen Bohnen. Echt herrlich! Johann hat sich später im Walmart eine komplette Anglerausrüstung für $65.00 gegönnt. Als wir die am Abend ausprobieren wollten, kam ein junges Paar den Steg runter, die aussahen wie mega professionelle Fischer. Die hatten Körbe und Netze dabei und noch vieles mehr, wovon ich absolut keine Ahnung hatte. Johann, der sich total schnell an die amerikanische Art (zumindest in gewissen Belangen) anpasssen konnte bzw. angepasst hat, ging einfach hin und hat ihn gefragt, wie und was er da mache. So sind wir dann schnell ins Gespräch gekommen mit Houston und Amanda. Sie haben uns dann kurzerhand zum Dinner eingeladen. Das war dann eine Erfahrung der etwas anderen Art. Da haben schon ein bisschen die beiden Kulturen aneinandergerieben. Die beiden haben einen riesigen Grill mitgebracht. Houston kocht so gerne (und gut!). Sie meinten, sie hätten genug Essen und sie würden sich freuen, wenn wir kommen. Wir hatten aber gar nichts, das wir hätten mitbringen können, also haben wir einfach unser restliches Bier und unsere zwei kleinen Portionenflaschen Wein mit rüber gebracht. Sie mochten aber beide lieber ihren Whiskey trinken. Houston hat dann für eine halbe Armee gekocht und es hat sooo unglaublich lecker gerochen und sah verdammt gut aus. Als dann alles fertig gekocht war, hatte Amanda vom Whiskey schon leicht einen sitzen und erzählte vieles gleich zweimal. :-)

Sie haben uns gefragt, ob wir etwas Essen haben möchten. Das hat uns dann irgendwie verwirrt, weil sie uns doch zum Dinner eingeladen haben. Normalerweise isst man ja an einem Dinner. Sie selbst haben aber überhaupt keine Anstalten gemacht, etwas zu essen. Als wir sie dann fragten, meinten sie, dass sie nicht so viel essen, sondern lieber trinken. Kleiner Exkurs am Rande: Sie trinken einen grossen Schluck Whiskey (oder was sie dafür halten) und gleich danach einen Schluck Pfirsichsaft. Erst dachte ich, dass das echt schade wäre für den Whiskey, aber dann hab ich es selbst probiert. Erstens ist es kein hochwertiger Whiskey und dementsprechend nicht schade drum und zweitens ist es ziemlich lecker! Nun gut, zurück zum Essen. Schlussendlich sassen Johann und ich an ihrem Tisch, assen ihr Essen, während Houston nach den Fischfallen sehen ging und Amanda im Häuschen rumwuselete. Das Essen war einfach köstlich, aber wir kamen uns echt saudoof vor. Aber für die beiden war es anscheinend normal und sie hatten total Freude an uns. Wir hatten aber auch echt interessante Gespräche (manchmal sogar in doppelter Ausführung) und es war, bis auf die Essenssequenz, total gemütlich. Eine weitere Notiz am Rande: Amanda kann Alkohol ganz schlecht vertragen. Zum Glück war noch Houston da, der übersetzen konnte. 

 

 

Total Ausgaben: $ 141.44

Gefahrene Meilen: 90

Montag, 24. April 2017 - Lillian AL

Für den heutigen Tag fällt mir nur ein Wort ein: unbeschreiblich! Ich probiere trotzdem, ob ich die Eindrücke ein bisschen wiedergeben kann. Wir sind sehr ruhig in den Tag gestartet, haben ausgeschlafen (wir sind ja zurzeit in einem Cabin, da haben wir’s trocken und ruhig und vom Wetter geschützt). Nach einer Runde fischen machten wir uns dann parat, um eine Delfintour in Orange Beach zu machen. Ich war total aufgeregt, obwohl ich sonst nicht so auf typische Touristensachen stehe. Der Captain war dann auch ein total lustiger und lockerer Typ und alle an Bord richtig gut gelaunt. Die ausgelassene Stimmung hielt für ungefähr 10 Minuten an. Nämlich genau so lange, bis der Motor des Bootes heissgelaufen ist und wir im Kanal rumdümpeln mussten, bis der Motor gerade kühl genug war, damit wir es bis in den Hafen zurückschafften. Vorbei die Bootsfahrt. Ich war ziemlich enttäuscht, da wir ja morgen weiterfahren werden und so keine Chancen haben, die Tour morgen nachzuholen. Johann hatte aber die Allzweckwaffe parat und so sind wir am Hafen gediegen etwas essen gegangen - ich hatte den besten Burger, den ich in Amerika bis jetzt zwischen die Zähne gekriegt habe. Da haben wir neuen Mut gefasst und zu unserer zweiten Allzweckwaffe, dem Handy gegriffen. Auf Yelp haben wir noch eine bzw. zwei weitere Delfintouranbieter gefunden, prompt eine Tour gebucht für 17:00 Uhr und ich war wieder super happy. Bis fünf Minuten später das Telefon klingelte und eine nette Lady meinte, die Tour sei leider abgesagt. Gut, so haben wir halt beim dritten Anbieter eine Tour gebucht und das hat dann endlich geklappt!

 

Alleine die Fahrt war schlicht der Wahnsinn! All diese feudalen Oberschichten-Häuser direkt am Strand mit den eigenen Bootsstegen waren toll anzuschauen. Aber die Delfine, die haben alles getoppt! Plötzlich waren sie da und haben mit den Wellen gespielt und Sprünge gemacht oder sind einfach gemütlich neben dem Boot hergeglitten. Da waren ganze Familien. Manche Delfine waren noch ganz klein. Ich war echt den Tränen nahe, so sehr hab ich mich gefreut. Der Captain hatte anscheinen auch gute Laune, denn anstatt auf direktem Weg in den Hafen zurück, machte er noch einen ziemlich langen Umweg aus der Bucht hinaus, damit wir den Sonnenuntergang auf dem offenen Meer geniessen konnten. Es war einfach perfekt! Abends wollten wir dann eigentlich früh ins Bett, weil wir am nächsten Tag ein gedrängtes Programm vor uns hatten. Es blieb dann aber bei “eigentlich”, denn auf dem Weg vom Steg ins Cabin sind wir Amanda und Houston begegnet und hängen geblieben. Viel Schlaf haben wir zwar nicht abgekriegt, dafür aber einen wundervollen, feuchtfröhlichen Abend mit neuen Freunden, deren Whiskey und guter Musik. Die Gemeinsamkeiten, die wir alle gefunden haben, gaben uns innert kürzester Zeit das Gefühl, einander schon viel länger zu kennen. Sie wollten so vieles über die Schweiz wissen und wir haben ihnen so gut wie möglich Antwort gegeben. Dabei kam heraus, dass wir die Schweiz ihrer Landschaft wegen lieben. Und wegen des Essens. Aber die Menschen sollten einfach ein bisschen offener, freundlicher und weniger ängstlich werden. Ich weiss schon jetzt, dass es mir unglaublich schwerfallen wird, wieder nach Hause zu gehen. Aber das hat ja noch ein bisschen Zeit. Bis dahin geniessen wir es in vollen Zügen (das ist auf diesen Abend bezogen ziemlich wörtlich zu nehmen). Amanda hat übrigens ganz schüchtern gefragt, ob ich ihr ein paar Fotos von der Schweiz schicken könnte, weil sie es wohl nie so weit weg schaffen würden (Houston kriege man kaum aus seinem Wald raus, ausserdem hat er Flugangst). Sie wollte mir sogar Geld dafür geben. Sonä Seich! Wir werden ihr ganz viele Postkarten schicken, das hab ich mir fest vorgenommen. Als kleines Dankeschön für ihre Grosszügigkeit und die herzliche Gastfreundschaft.

 

 

Total Ausgaben: $96.24 (Delfintour $34.80)

Gefahrene Meilen: 110

Dienstag, 25. April 2017 - Omaha GA

Der heutige Tag ist eigentlich relativ schnell zusammengefasst: Autofahren. Wir sind morgens zu spät aus den Federn, Johann hatte “veiechli es Büüüssi”, übersetzt: einen Kater. Anscheinend war ich die Einzige gestern, die den Whiskey gut vertragen hat. Houston sieht auch mehr schlecht als recht aus und Amanda war deutlich stiller als sonst. Nun ja, wir haben uns schweren Herzens von unseren neuen Freunden verabschiedet und uns dann auf den Weg gemacht. Übrigens haben wir heute Morgen noch die Blue Angels (die amerikanische Kunstflugstaffel) trainieren sehen. Eigentlich wollten wir noch die Eden Gardens anschauen gehen, aber dafür reichte die Zeit halt nicht mehr aus (auch, weil wir die Zeitzone wechseln, was ich irgendwie nicht miteinberechnet habe, dementsprechend verloren wir noch eine Stunde). Gut, dann hiess es halt durchfahren. Um 16:15 Uhr sind wir in dem State Park, unserem Nachtlager, angekommen. Der Park war echt schön und er bot auch alles was man braucht, aber die Mücken frassen uns fast auf! Da wollten wir echt nicht sitzen bleiben, also stiegen wir wieder ins Auto und fuhren nach Columbus, die nächste Stadt. Es hat auch nur eine Stunde gedauert (Achtung: Ironie). Der State Park ist echt mitten im Nirgendwo und Handynetz hat man auch keines. Also fuhren wir auf gut Glück los und hatten dann wenigstens ein gutes Abendessen. Danach gingen wir noch ein bisschen im Walmart shoppen, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Wieder auf dem Campingplatz angekommen, hüpften wir nur noch kurz unter die Dusche. Jetzt gehen wir schlafen, denn es war ein echt langer Tag und uns fallen schon die Augen zu. 

 

 

Total Ausgaben: $172.61

Total gefahrene Meilen: 325.60

So meine Lieben, das war die dritte Ferienwoche, five more to go. Wer ist sonst noch ein bisschen wehmütig und sehnsüchtig beim Lesen dieser Texte? Ich auf jeden Fall lese mein Tagebuch immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, bin aber in erster Linie dankbar für alle diese wundervollen Erlebnisse und Begegnungen, die wir während dieser einzigartigen Zeit erfahren durften!

 

Und falls ihr euch die coronabedingte, reisefreie Zeit noch ein bisschen verkürzen möchtet, schaut doch einfach in meiner Kategorie "Weltenbummler" rein, dort findet ihr unter anderem die ersten beiden Reisewochen und eine Liebeserklärung an New Orleans. Oder backt euch doch einfach ein Bananenbrot und träumt euch geschmacklich über den grossen Teich.

 

Bis ganz bald und bleibt gesund!

 

Herzlichst

 

Scarlet Rose


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