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Reisetagebuch Woche 2: Von Pferderücken, Ostern und der Big Easy

Pickup Truck Dixie Dude Ranch Bandera Texas Reiseblog

Wie sagt man so schön: Neues Jahr, neues Glück. Ich geb's zu, diese Einleitung hinkt gute zweienhalb Monate nach, aber ein neues Jahr zu beginnen, hat so viel Schönes an sich. Auch im März noch. Es ist wie eine unbeschriebene Seite Papier, die man mit Geschichten füllen kann. Ganz besonders toll ist auch, dass das Ferienkonto wieder neu aufgeladen wird und man davon träumen kann, wie man seine Ferientage investiert. Für uns geht es in vier Monaten zurück in unsere Herzensheimat. Weshalb wir nicht genug von dieser Region kriegen und wieso wir unser Herz dort verloren haben, das habe ich in meinem Reisetagebuch festgehalten. Endlich geht unsere Reise auch für euch weiter. Ich entführe euch also heute nach Texas und Louisiana. Gute Reise und schöne Träume!

Mittwoch, 12. April 2017 - Bandera TX

Dixie Dude Ranch Bandera Texas Ausritt

Der heutige Tag war wider Erwarten echt toll! Zwar ziemlich touristisch, aber trotzdem haben wir ihn in vollen Zügen genossen, was vielleicht auch daran lag, dass wir Tischnachbarn gewechselt haben und so das Essen massiv angenehmer wurde. Apropos Essen: Hier isst man wirklich wahnsinnig gut! Am Morgen hatten wir unseren ersten Ausritt. Es war fantastisch! Zwar hatte es nicht viel mit dem Reiten zu tun, das ich von früher her kannte, weil die Pferde einfach brav in einer Reihe laufen, aber es war einfach schön, die Hügel und Täler der Ranch vom Rücken eines Pferdes aus zu betrachten. Johan hatte zwar vor dem Aufsteigen ziemlich Schiss, war dann aber schnell beruhigt, als er merkte, dass die Pferde von alleine wissen, wo sie durchlaufen müssen. Er hatte eine Art Muli, einfach viel grösser, als wir es von der Schweiz her kennen, aber das sind wir uns ja mittlerweile von Amerika gewöhnt. Stur sind sie aber übrigens genauso wie bei uns. Während alle Pferde einfach brav machten was sie sollten, frass Jack, Johanns Muli, einfach mal rechts und mal links und blieb zwischendurch auch schon mal stehen. Es war wirklich witzig, Johann auf Jack rumhüpfen und stupfen und "chüdärlä" und "chum jetzt" rufen zu sehen und hören und Jack hat einfach keinen Wank gemacht. Ich lach mich jetzt noch krumm.

Bandera Texas General Store Village

Am Nachmittag waren wir dann in Bandera und haben ein paar Souvenirs für uns gepöstelt. Ein Stiefel aus Blech für den Weihnachtsbaum, ein Blechschild, ein Bandana, ein Bieröffner aus massivem Metall, um an die Wand zu schrauben und ein liniertes Büchlein mit einem Cowboy drauf. Es ist wirklich ein süsses, kleines Cowboystädtchen, das zwar ziemlich sicher auch primär vom Tourismus lebt, aber trotzdem sehr authentisch ist. Um 16:00 Uhr waren wir dann für unseren zweiten Ausritt angemeldet. Als wir da so bei der Koppel standen, kam ein junger Mann auf uns zu, der uns mit stark französischem Englisch fragte, ob wir ein Foto machen könnten von ihnen vier. Nachdem ich das Foto gemacht hatte, fragte ich ihn auf französisch, woher sie kämen und die Antwort erstaunte mich irgendwie nur mässig: aus Lausanne. Sie erklärten uns sogleich, dass sie hier seien, um Cowboys kennenzulernen, weil sie selbst ja auch quasi Cowboys sind (Randbemerkung: das Mädchen trug Glitzerjeans, weisse Sneaker und meterlange, pinke, künstliche Fingernägel). Sie erzählten ausserdem, dass sie diplomierte Reiter in irgendeiner Disziplin seien. Ich versuchte, sie vorzuwarnen, dass das Westernreiten hier nicht dem entspricht, was er sich vorstelle. Erstens, weil das Westernreiten hier was ganz anderes ist, als man in der Schweiz beigebracht kriegt, und zweitens diese Pferde nicht so zugeritten sind, wie sie sich das vorstellen. Die sind für alle Menschen, auch Nichtreiter, zugeritten. Nun ja, sie wollten nicht hören. Das erste, was er dem Wrangler sagte, war: "We are high level riders". Als der Wrangler davon nicht beeindruckt war, probierte er es nochmal, aber der Cowboy lief ihm einfach davon. Dann erklärte dieser, dass die Pferde in einer bestimmten Reihenfolge laufen müssten. Es ging keine 10 Minuten, bis der Möchtegern-Cowboy aus der Reihe tanzte, in dem er an das Ende der Kolonne traben wollte. Schon da klang der Wrangler etwas gereizt, als er ihm nochmals erklärte, wie das funktioniere hier. Dann dauerte es circa weitere 20 Minuten, bis der Möchtegern die Lust am gemächlichen Schritt verlor und sein Pferd zum Trab antrieb. Das nahm dann mein Pferd als Einladung, mitzutraben, worauf ich irgendwie nicht vorbereitet war. Es lief zwar alles gut, kein Problem, aber der Wrangler war daraufhin ziemlich wütend. Als der Möchtegern ihn am Ende des Ausritts auch noch fragte, ob er Hilfe beim Absatteln brauche, meinte der "You're a tourist. Just go and do whatever tourists do". Zum Abendessen kam der Nachwuchscowboy dann allen Ernstes mit montierten Sporen. Es war einfach nur peinlich. Wir haben uns echt fremdgeschämt und ganz fest gehofft, dass die anderen jetzt nicht denken, die Schweizer wären alle so. Ich auf jeden Fall gebe mir Mühe, mich zwar anzupassen, aber nicht zu verstellen. Aus mir wird ganz sicher kein Storebutt, ein verkleideter, eingekaufter Möchtegern.

 

 

Ausgaben total: $70.34

Total gefahrene Meilen: 21.1

Donnerstag, 13. April 2017 - Bandera TX nach Cat Spring TX

Unser letzter Tag auf der Ranch ist vorbei und wir waren das erste Mal ein bisschen wehmütig. Auf den ersten Blick zwar ziemlich touristisch, machen die Menschen auf der Ranch wirklich einen liebevollen Rückzugsort daraus. Die netten Frauen haben mich immer mit "love" angesprochen. "Do you want some more coffee love?". Das werde ich echt vermissen. Aber die Menschen in Texas sind alle so unglaublich herzlich. Auf unserer ersten, längeren Autofahrt hat uns das ein kleines bisschen melancholisch gestimmt. Wir stehen zwar noch am Anfang unserer Reise, aber schon jetzt hat uns die Herzlichkeit und Grosszügigkeit dieses Landes verändert. Ziemlich eng und halsstarrig scheint uns nun die Schweiz und vorallem ihre Strukturen. Selbstverständlich vergessen wir nicht, welche Vorteile die Schweiz hat. Zum Beispiel das gute Sozialsystem. Aber dann wiederum denke ich, dass man es dank dieses Systems auch massiv einfacher "cha la tschädere". Es ist ja immer noch das System da, das dir Geld gibt. Hingegen Selbständigkeit in der Schweiz ist nicht unbedingt erstrebenswert. Zumindest häufig nicht. Zu kompliziert. Zu viele Hindernisse. Und um nochmal auf unser Wohlfahrtssystem zu kommen: Irgendwie haben wir so ja auch verlernt, zu unseren Mitmenschen zu schauen. Auf dem Campground, auf dem wir gerade sind, durfte eine alte Frau ihr Häuschen bauen, weil sie ihren Mann und ihre Kinder verloren hat und sie das Haus auch aufgeben musste. Wenn sie nicht hätte hierbleiben dürfen, so wäre sie wohl verloren gewesen. Unterdessen ist sie aber schon seit fünf Jahren hier und anscheinend ziemlich zufrieden. Apropos hier: Wir sind völlig alleine auf privatem Grund, das als Campground deklariert wurde. Es hat zwar eine Dusche, wie beschrieben, aber von dem versprochenen Restaurant weit und breit keine Spur. Da wir ca. 5 Kilometer über unbefestigte Strassen gefahren sind, was eigentlich vom Autovermieter streng verboten wird, wollten wir nicht in das kleine Dörfchen zurück, um etwas zu Essen aufzutreiben. So war unser Abendessen denn halt nur bestehend aus Cheerios und Oreos. Sehr gesund. Was wir dazugelernt haben: Immer eine Packung Trockenfleisch dabei haben. Und genügend Gas für den Gaskocher. Das ist uns nämlich ausgegangen. So ist der Päckchenreis auch nicht kochbar.

 

 

Total Ausgaben: $172.11

Gefahrene Meilen: 201.7

Horseshitcamp Cat Spring

Freitag, 14. April 2017 - Cat Spring TX nach Lafayette LA

Nun, der heutige Tag verlief ganz anders, als es zuerst geplant war. Das Ganze nahm schon in der Nacht seinen Lauf. Als wir um ca. 1:00 Uhr noch einmal auf die Toilette gingen (das Magenbrennen vom "Abendessen" hat uns aufgeweckt), sagte ich noch zu Johann, dass der Mond schon ziemlich voll sei. Kaum waren wir wieder in unserem Schlafsack, ging ein markerschütterndes Gehäule los. Nicht von einem Tier, von einem ganzen Rudel. An Schlaf war dann kaum mehr zu denken, denn auch die Tiere rundherum wurden nervös, was selten ein gutes Zeichen ist. Irgendwann hat uns der Schlaf dann doch noch übermannt und am Morgen waren auf jeden Fall noch alle Gliedmassen da, nichts angefressen *grins*. Ausser vielleicht unsere Nerven, als wir dann entdeckten, dass unser ganzes Zelt voll war mit Pferdemist. Und nass war es auch. Eigentlich wollten wir das Houston Space Center anschauen gehen, aber wir waren beide so übermüdet, dass wir beschlossen, das Space Center sein zu lassen (wir haben noch drei Raumfahrtscenter vor uns) und auf halber Strecke nach Lafayette Halt zu machen. Da es aber auf dem direkten Weg von Cat Spring nach Lafayette einen Campingplatz auf unserem App anzeigte, beschlossen wir, einen kleinen Umweg zu machen und Louisiana von oben/mitte dann hinabzufahren. Also visierten wir einen Campingplatz oberhalb Houston und nahe der Grenze zu Louisiana an. Als wir den Camping erreichten, sagte uns die nette Empfangsdame, dass der Mindestaufenthalt drei Nächte betrage, wegen des Osterweekendes. Ostern hatten wir doch total vergessen! Und auf keinen Fall wollten wir drei Nächte dort verplempern, es war ja nur als Etappenabschnitt gedacht. Anzusehen gab es dort ausser dem See rein gar nichts. Also mussten wir halt weiter. Aber wohin? Wir entschieden uns, nun doch nach Lafayette zu fahren. Schlussendlich bedeutete das weitere 3.5 Stunden Fahrt und alles in allem einen ziemlichen Umweg, aber was sollten wir sonst tun. Heute sassen wir also acht Stunden im Auto und haben umgerechnet knapp 600 Kilometer gemacht. Das ist mehr, als wenn wir vom westlichsten zum östlichsten Ende der Schweiz fahren würden. Der Grenzübertritt war extrem unspektakulär - wir haben ihn gar nicht bemerkt. Allerdings hat sich die Landschaft dann doch sehr schnell verändert. Sehr viel Wald. Und immer wieder künstlich angelegte Teiche, um Krabben zu züchten. Weite Strecken kommt einfach gar nichts. Dann fühlt man sich schon ein bisschen verloren. Ab und zu sieht man wieder ein hübsches Häuschen und daneben zwei Bruchbuden und Billig-Trailer-Häuser. Es ist schon echt bedrückend, die Schere in der Bevölkerung so knallhart nebeneinander zu sehen. Wobei es sicherlich auch viele gibt, die keine Sorge tragen zu ihrem Hab und Gut. Eine Wegwerfgesellschaft. Johann hat mich dafür wahnsinnig zum lachen gebracht, als er plötzlich meinte: "Schau, da hinten ist wohl ein Zementwerk". Ich schaute doof aus der Wäsche und fragte, wie er darauf komme, da meinte er, es wäre angeschrieben gewesen: "Cemetery". Wir konnten uns kaum noch erholen vor lachen.

 

 

Total Ausgaben: $115.98

Total Meilen: 375.60

St. Johns Cathedral Lafayette Louisiana

Samstag, 15. April 2017 - Lafayette LA

So, der erste Waschgang auf amerikanischem Boden hätten wir auch vollbracht. Voraussichtlich hat noch alles seine ursprüngliche Grösse. Der Waschgang hat uns noch ein Weilchen auf dem Campingplatz gehalten, bevor wir dann nach Lafayette reingefahren sind, um die St. Johns Cathedral zu besichtigen. Die war echt schön! Und von der Architektur her völlig anders als erwartet; sie war aus roten Backsteinen gebaut und viel grösser, als ich gedacht hätte. Der Friedhof dahinter war auch sehr eindrucksvoll. Die Gräber hier werden über der Erde angelegt, wegen der Lage von Louisiana (häufig unter dem Meeresspiegel und sehr feucht und sumpfig). Danach besuchten wir das Vermilionville, ein nachgebautes bzw. restauriertes Cajun-Dorf. So à la Ballenberg. Das war schlicht grandios! Wir haben so viel Neues über die Arkadier bzw. Cajuns gelernt. Zum Beispiel, woher das Wort Cajuns kommt: Die Arkadier nannten sich selbst "arcadiens". Daraus wurde im Laufe der Zeit dann das einfacher auszusprechende Wort "Cajun". Hier haben wir die ersten Erfahrungen mit der typischen, süss-scharfen Küche der Cajuns gemacht. Einfach lecker!

Vermilionville Cajun Village Cajundorf Lafayette Louisiana

Das Dorf war übrigens bevölkert von verkleideten Cajuns, die uns Einblick in das Leben der damaligen Arkadier (1750 - 1865) gegeben haben. Das war enorm spannend. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass Quilts (die aus mehreren Stücken zusammengesetzten Decken) als Kommunikationsmittel benutzt wurden, vorallem, um geflüchteten Sklaven zu helfen. 48% der damaligen Bevölkerung waren Sklaven. Und viel öfter, als man meint, sind diese dann auch geflüchtet. Und schön fand ich, dass eine weisse Schaustellerin sagte, wir dürfen die Leidensgeschichte der Vertriebenen nicht einfach unter den Teppich kehren. Das geht heute noch jeden was an. Abendessen gab es dann im Randols Cajun Restaurant, wo Johann das erste Mal Jumbo-Shrimps gegessen hat. Den ersten hat er  im Terrence Hill Style inkusive Schale und Beinen vertilgt. Für den Zweiten hat er sich dann eine Essanleitung geben lassen *hihi*.

 

 

Total Ausgaben: $105.68

Total gefahrene Meilen: 41.5

Sonntag, 16. April 2017 - Lafayette LA nach Houma LA

Ostern. Der bisher und mit grossem Abstand langweiligste Tag unseres Roadtrips. Der Plan wäre gewesen, auf Avery Island die Tabascofabrik zu besichtigen und dann gemütlich nach Houma zu fahren, wo wir dann vielleicht noch das Military Museum besuchen, bevor wir am Abend dann in ein klassisches Cajun-Restaurant essen gegagen wären. So viel zum Plan. Avery Island: Tabascofabrik geschlossen. Da waren wir echt enttäuscht, weil wir uns so darauf gfreut haben. Einen Tag länger bleiben lässt aber der Zeitplan nicht zu, weil wir eh schon ziemlich knapp dran sind. Also weiter nach Houma mit einem Zwischenstopp in Franklin, das so ein herziges, kleines Städtchen ist, das es im Bürgerkrieg verschont wurde. Die historische Main Street war denn auch wirklich herzig, der Rest drum herum klassisches Louisiana: herzige Häuser zwischen alten, verlumpten Trailer-Häusern. Ehrlich, das beschäftigt mich ziemlich. Die Landschaften sind echt schön, aber diese Schere zwischen arm und vermögend so direkt nebeneinander zu sehen, ist bedrückend. Nun ja, in Franklin ging dann die Suche nach Mittagessen los. Die Menschen hier, die ja sehr christlich sind, nehmen das Osterfest äusserst ernst. Dafür, dass die Öffnungszeiten ansonten schon ziemlich übertrieben sind, auch an den Sonntagen eigentlich überall offen ist, waren wir schon ziemlich erstaunt, alles so ausgestorben zu sehen. Alle Restaurants geschlossen. Sogar Burgerking. Schlussendlich gab es zu unserem Verdruss genau einen einzigen Laden, der offen hatte: McDonalds. Abends in Houma hatten wir dann dasselbe Theater noch einmal. Schlicht alles geschlossen, auch McDonalds. Zum Glück hatte das Hooters offen. Wobei das für mein Selbstbewusstsein ein Schlag war. Da spazieren perfekte Serviermädchen in Kleidern rum, die die Ausdrücke "Hose" oder "Shirt" nicht verdient haben! Und da soll ich dann entspannt futtern können und nicht an meinen frisch gewachsenen Wabbelbauch und meine Cellulitekrater denken?! Ich hab mich dann zu Gunsten meiner Arsch-Mond-Landschaft für einen Salat entschieden. Ich dachte, das wäre gesund. Falsch gedacht. Sogar die Salate hier sind massiv ungesund. Tonnenweise Ei, Schinken, Pouletschnipsel, zweierlei "Käse" und massenhaft fettiges Dressing. Da war so viel Beigemüse dabei, dass ich ein halbes Teller davon wieder zurückgeben musste! Ich muss echt zugeben, dass mich das Essen und Einkaufen hier ziemlich stresst. Alles ist riesig oder dann zumindest nur im Multipack erhältlich und einfach alles ist ungesund! Ich hab mir essenstechnisch noch so gut wie nichts geleistet ausser den Hauptmahlzeiten und trotzdem habe ich das Gefühl, schon mindestens zwei Kilo mehr auf den Rippen zu haben, was mein Selbstwertgefühl gerade ziemlich schrumpfen lässt. Handkehrum möchte ich ja auch nicht die ganze Zeit bloss Salat essen (wobei, wie gesagt. So viel gesünder ist der wohl auch nicht als ein Burger). Nun ja, ist dann halt Diät angesagt, wenn ich nach Hause komme. Schliesslich will ich ja ins Hochzeitskleid passen.

 

 

Total Ausgaben: $ 64.98

Total gefahrene Meilen: 163

Busch Beer Houma Louisiana Icehockey
Bierchen und Eishockey in Houma, da man ja sonst nichts unternehmen konnte. Go Preds!

Montag, 17. April 2017 - Houma LA nach New Orleans LA

Heute hat es uns wieder ein bisschen "versekklet". Eigentlich wollten wir ja in die Swamps. Als wir heute morgen dann dort angerufen haben, (ich war schrecklich nervös, ich telefoniere ja schon in der Schweiz nicht gerne und hier hab ich manchmal echt Mühe, die Leute zu verstehen), meinte der Herr, dass die Tour am Morgen abgesagt sei wegen des schlechten Wetters und dass wir am Mittag nochmal anrufen sollen, vielleicht fände ja dann die Nachmittagstour statt. Das hätte unseren ganzen Tagesplan durcheinandergebracht und so haben wir schweren Herzens beschlossen, weiterzuziehen und eine Alternative für unseren geplanten Ausflug in die Sümpfe zu finden. Wir fuhren also auf direktem Weg nach New Orleans auf den Campground. Es reichte zeitlich noch gerade so, bis sich der nächste Platzregen über uns ergoss. Das Wetter hier wechselt ungeheuer schnell. Da kann in der einen Minute das schönste Wetter sein und kurz darauf geht ein Kessel Wasser auf dich nieder. Als wir uns dann wieder aus dem Zelt trauen konnten, machten wir uns auf den Weg in die Stadt hinein, die von allen nur die Big Easy genannt wird. Die netten Frauen vom Campingdesk haben uns erklärt, wie wir am besten in die Stadt kommen. So haben wir also unser Auto auf halbem Weg parkiert und sind von dort aus mit der tollen, uralten Strassenbahn durch das Garden District direkt ins French Quarter gefahren. Es ist übrigens für mich immer ziemlich stressig, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Die Haltestellen sind nicht angeschrieben und auch in den Fahrzeugen sieht man nicht, wo man sich gerade befindet. Aber bis jetzt hat noch alles geklappt und so sind wir auch mitten im belebten Frenchquarter gelandet, wo wir alles erst einmal auf uns wirklen lassen mussten. Von überall her kommt Musik. Jede Art von Musik. Bloss Jazz hört man auf der Bourbon Street, der Ausgehstrasse, eher weniger. Da hört man von Rock, Zydeco, Country über alten Blues fast alles. Unser verspätetes Mittagessen war dann etwas vom Besten, was wir hier bis jetzt gegegessen haben: Gumbo. Eine Mehlsuppe mit Poulet und Wurst und geschnittenem Gemüse. Einfach sooo lecker! Der Gumbo Shop ist übrigens auch von den Locals ausgezeichnet worden, wel es hier das beste Gumbo der Stadt gibt. Johann hat sich ein Seafood-Gumbo bestellt, was für ordentlich Lacher gesorgt hat, als er plötzlich einen halben Krebs aus der Suppe gezogen hat, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, wie man den nun isst. Zum Glück hatte der Tischnachbar auch so ein Viech im Teller und so hat er probiert, es ihm einfach nachzumachen – mehr oder weniger erfolgreich: das erste Bein flog in hohem Bogen durch die Luft und landete auf seinen Hosen. Ist wohl mal wieder waschen angesagt.

 

 

Total Ausgaben: $52.90

Total gefahrene Meilen: 77.7

New Orleans NOLA Louisiana

Dienstag, 18. April 2017 - New Orleans LA

Schaufelraddampfer Natches New Orleans NOLA Louisiana

Heute war ein langer, aber perfekter Tag! Um 09:00 Uhr wurden wir von dem Campingbus-Shuttle in die Stadt gebracht, wo wir uns richtig viel Zeit nahmen, das Vieux Carré zu erkunden. Wir starteten am Mississippi, den wir wohl zum ersten Mal so richtig wahrgenommen haben. Den Fluss nennt man übrigens auch den Ol’Man River. Von da aus beobachteten wir noch ein bisschen den Schaufelradddampfer Natchez, bevor wir dann über den Jackson Square zur St. Louis Cathedral weitergingen. Wir lernten so einiges über die alten Häuser im French Quarter, die zum Teil sogar die beiden grossen Feuer überstanden haben. Wir liefen uns wirklich fast die Füsse platt, aber es war es absolut wert! Ich hab mir übrigens auch was wunderschönes gegönnt: rote Peeptoes mit Schnürung. Schwierig, zu beschreiben, aber einfach perfekt! Dann haben wir uns auch noch was für die Wohnwand gegönnt: ein Bild von einem lokalen Künstler, der Old School Motive malt. Und Johann hat sich noch einen Patch für seine Weste gekauft. Am Abend wurden wir dann wieder von den Rufen auf der Bourbon Street gelockt, wo wir dann auch noch was Kleines gegessen haben, nachdem ich mich mit einem extrem starken Drink namens Hurricane fast ein bisschen übertan habe. In dem Restaurant spachen wir dann unsere Tischnachbarn an, weil wir ihre Sprache als holländisch erkannt haben. Sie waren auch «Musikreisende» und konnten uns noch viele Tipps geben. Es war wirklich super spassig und das erste Mal, dass wir unsere europäische Scheu von uns aus niedergelegt haben. Nach einem kurzen Schlummertrunk in einer Bar mit Soulmusik und R’n’B wurden wir dann von einem total netten, aufgeschlossenen Jordanier nach Hause gefahren (Uber). Der hat dann mit seiner tollen Art ziemlich an Johanns Vorurteilen über den Osten gerüttelt.

 

 

Total Ausgaben: $292.40

Total gefahrene Meilen: 0

Craig Tracy Art Gallery Kunstgalerie New Orleans NOLA Louisiana

Und, plagt euch schon das Fernweh? Ich auf jeden Fall kann es kaum erwarten, die nächste Ferienwoche revue passieren zu lassen und so meine Vorfreude auf die nächste Reise noch zu steigern. Begleitet mich auf unserer Route entlang dem Golf von Mexico, entspannt mit mir an schneeweissen Sandstränden und geniesst das Spiel der Delfine im Meer.

 

Falls ihr bis dahin noch ein bisschen in meinen Erinnerungen schwelgen möchtet, so hab ich euch noch eine detailliertere Erzählung von New Orleans, die Big Easy, die mich in ihren Bann gezogen hat. Und falls ihr den Bericht der ersten Reisewoche noch nicht gelesen habt, so findet ihr ihn hier.

 

Bis ganz bald ihr Lieben!

 

Herzlichst

 

Scarlet Rose


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