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Pin Up Your Pumpkin!

An die Messer, fertig, los! Halloween steht quasi schon vor der Tür und wir wollen schliesslich verhindern, dass verlorene Seelen uns heimsuchen. Neeein, wir greifen sie selbstverständlich nicht mit den Messern an. Ich könnte mir vorstellen, wie das ausgehen würde.

Verlorene Seele: 1
Ich / Du / Wir: 0

Wenden wir uns lieber den wirklich nützlichen Dingen zu, um sich Halloween-Geister vom Hals zu halten: Kürbisfratzen. Wirklich wahr. Das kann man überall in den unfassbar glaubwürdigen Geisterforen nachlesen. Könnt ihr mein ironisches Augenzwinkern zwischen den Zeilen herauslesen? Falls nicht, dann schreib ich's gerne noch klar und deutlich. Ich bin nicht wirklich abergläubisch, ausser es ist zu meinem Nutzen. Dann schadet es sicherlich nichts, daran zu glauben. Wie zum Beispiel bei Sternschnuppen. Oder wenn man eine Wimper verliert und sie findet, bevor sie zu Boden fällt.

Also, zurück zum eigentlichen Thema: den Halloween-Kürbissen. Was als ursprünglich irischer Brauch in die USA migriert wurde, schwappt nun seit ungefähr den 90er-Jahren wieder zurück in europäische Gefilde und gewinnt Jahr für Jahr an mehr Bedeutung in den hiesigen Kulturen. Und dabei spreche ich nicht vom ursprünglichen Glauben und Brauchtum der Iren, sondern von Halloweenparties mit Kostümprämierungen, aufwändigen Make-Ups in den Sozialen Medien (schuldig im Sinne der Anklage) und Kiddies, die an Haustüren klingeln und "Süsses oder Saures" verlangen. Was passiert wohl, wenn ich denen eine Packung saure Gummibären gebe? Geht das noch als Süssigkeit durch und ich werde von faulen Eiern und Toilettenpapier im Garten verschont? Hach, die wirklich wichtigen Fragen des Lebens, nicht wahr?

Nun, trotz meines spöttischen Tonfalles will ich diesen alten Brauch keinesfalls ins Lächerliche ziehen. In Zeitaltern, in denen jeder Laib Brot noch hart erarbeitet und nicht Tonnen davon alltäglich aus unseren übervollen Supermärkten in die Mülltonne geschmissen wurde, als noch die Pest und nicht eine Zwangsimpfung die wahre Bedrohung war und als man für soziale Kontakte noch beim Nachbar an der Türe klopfen und nicht nur das Smartphone aus der Tasche kramen musste, dass in diesen Zeitaltern für das Übernatürliche noch mehr Platz in unseren Glaubensgrundsätzen war, das versteht sich in meinen Augen von selbst. Und wenn man einmal in Irland oder in Schottland war, an einem schönen Tag im Moor spazieren ging und urplötzlich der Nebel aufzog, so dicht, dass man die eigene Hand vor Augen nicht mehr sehen kann, dann begreift man den Glauben an das Mystische durchaus.

Die alten Iren feierten allerdings noch nicht Halloween. Das Fest, welches sie in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1 November feierten, heisst Samhain. Es ist eines der vier grossen, irisch-keltischen Feste und es bezeichnet den Beginn des keltischen Jahres. Und an ebendiesen Festen sei die Schranke zwischen unserer und der "Anderen Welt" nicht so stark bzw. stehe zum Beispiel an den Elfenhügeln sogar offen, was dazu führe, dass die Wesen und Seelen der "Anderen Welt" Zugang zu unserer und wir zu ihrer erhielten. Während Beltane, das Frühjahrsfest, der helle Pol des Jahres bildet, so ist Samhain das dunkle Gegenstück dazu. Und auch wenn früher wohl einige an diesem Tag dem Unterweltsgott Blutopfer gebracht und ihn um Fruchtbarkeit angefleht haben, so haben sich wohl die meisten in ihren Häusern eingesperrt und Rübenfratzen und Süssigkeiten vor ihr Haus gestellt. Die Fratzen, um die verlorenen Seelen vom Haus fernzuhalten und die Süssigkeiten, um die Dämonen milde zu stimmen.

Rüben übrigens deshalb, weil der Kürbis ein uramerikanisches Gewächs ist und es den in Europa noch gar nicht gab. Oh, kennt ihr übrigens schon die Legende von Jack O'Lantern? Die erzähle ich euch gerne, während ihr bis zum Ellbogen in eurem Kürbis steckt und die Kerne rausholt. Denn jetzt sollten wir uns wirklich langsam an die Arbeit machen, sonst wird das nix mehr bis die Seelen vor der Tür stehen.

Was ihr braucht:

  • Kürbis in der gewünschten Grösse (ich empfehle aber, keinen all zu kleinen zu nehmen, damit wir genügend Platz für unser Bild haben)
  • einen Schnitzer und ein Kürbisschnitzset
  • eure Bildvorlage
  • Pflaster
  • Stecknadeln

Ich hab mir ein Pin Up Bild von Gil Elvgren ausgesucht. Das ist zwar nicht gruselig genug, um die Dämonen zu vertreiben, aber bestimmt heiss genug, um sie von meiner Haustür abzulenken. Ich hab das Bild ausgedruckt und mit einem schwarzen Filzstift diejenigen Flächen markiert, die ich später rausschnitzen werde. Das klappt eigentlich mit jeder Art von Bild. Wichtig ist bloss, dass ihr darauf achtet, die Flächen so auszumalen, dass das Bild nachher erkennbar ist. Überall dort, wo es leuchten soll, müsst ihr die Haut abziehen. Wenn ihr euch für ein Motiv entscheidet, bei dem ihr nicht nur die Haut des Kürbisses abziehen, sondern gleich ganz durchschneiden wollt, dann müsst ihr unbedingt darauf achtgeben, dass ihr das Bildmotiv mit dem Kürbis verbindet. Also nicht etwa eine Fledermaus vor einem Vollmond zeichnen und dann den Mond rausschneiden. Da ist die Fledermaus dann gleich mit rausgeschnitten. Versteht ihr, was ich meine? Nicht? Dann schaut euch mal das hier an, das hilft.

Vodoo-Time! Für all jene unter euch, die total begabt darin sind, Dinge auf andere Dinge abzumalen: Herzliche Gratulation. Ihr dürft selbstverständlich einen Stift zu Hand nehmen und das ganze Bild noch einmal auf den Kürbis zeichnen. Ich gehöre da eher zur unbegabten und faulen Sorte. Deshalb wirds jetzt ein bisschen böse, denn jetzt kommen meine Stecknadeln zum Einsatz. Ich pinne dafür als erstes das Bild auf dem Kürbis fest (nur da, wo später auch ein Umriss durchgeht, ansonsten macht ihr ja ein Löchlein rein wo keines reingehört). Dann stecke ich an allen wichtigen Umrisspunkten eine weitere Nadel rein, damit ich das Bild dann später gut auf dem Kürbis sehen und einritzen kann. Klar soweit?

 

 

So sieht das dann aus, wenn ihr eure Vodoo-Künste vollzogen habt. Hoffentlich ist jetzt nicht aufgrund von unserem Stecknadel-Vodoo-Zauber-Ding irgendwo eine Hexe von ihrem Besen gefallen und hat sich dabei den Straps gerissen. Wir Ladies wissen alle, wie ärgerlich Laufmaschen in Strümpfen sein können, nicht wahr? Da kann man schon mal vom sexy Hexchen zur Furie mutieren.

 

  

So, nun köpfen wir den Kürbis. Ach herrje, was sind wir brutal heute. Nun, es ist ja für einen guten Zweck oder? Die Dämonen werden es uns danken, wenn sie einmal anstelle von Fratzen ein sexy Pin Up zu sehen kriegen. Hier kommt übrigens das erste Mal mein Schnitzwerkzeug zum Einsatz. Es gibt ein extra Messer, um eine schön gezickzackte Kante schneiden zu können.

 

 

 

So, der Deckel ist ab und nun gehts ans Aushöhlen. Ich hab das Loch übrigens gross genug gemacht, damit ich mit dem Arm reingreifen könnte. Seid ihr schon gespannt auf die Legende von Jack O'Lantern?

Ich hab meinen Kürbis mit dem Löffelwerkzeug und von Hand ausgehöhlt. Schaut einfach, was euch besser passt. Während ihr also das matschige, schleimige Innenleben aus eurem Kürbis rausholt, erzähle ich euch die Geschichte von Jack mit der Laterne:

 

Vor langer Zeit lebte in Irland ein Hufschmied namens Jack (hast du nicht kommen sehen oder?). Er war bekannt als geiziger Trunkenbold und wohl nicht gerade der Typ Mensch, dem du dein Kind (oder deine Katze) anvertrauen würdest.

Eines Abends sass also Jack, es war zufälligerweise der Abend von Samhain, in einer Bar und soff sich die Hucke voll, als der Teufel plötzlich neben ihm stand und ihn holen wollte. Jack bot also um einen letzten Gnadendrink, den der Teufel ihm sogar spendieren wollte. Weil der Teufel aber dummerweise kein Bargeld dabei hatte, verwandelte er sich kurzerhand selbst in eine Münze, um Jack seinen letzten Drink zu bezahlen. Nun war Jack zwar ein Säufer, aber kein Dummkopf. Also nahm er die Teufelsmünze und packte sie in sein Portemonnaie, in dem zufälligerweise schon ein silbernes Kreuz lag. Der arme Teufel war jetzt also gefangen und Jack somit am längeren Hebel. Er erschlich sich ein weiteres Lebensjahr - weshalb er nicht gleich zehn gefordert hat, ist mir schleierhaft - und liess den Teufel wieder frei, der unverrichteter Dinge von dannen schlich.

Ein Jahr später, logischerweise wieder in der Nacht von Samhain, kam der Teufel zurück. Und abermals bat Jack um einen letzten Gefallen. Dieses mal wollte er einen Apfel vom nahestehenden Apfelbaum gepflückt haben. Der Teufel willigte ein und stieg auf den Baum, um Jack seine Henkersmahlzeit zu besorgen. Doch dieser ritzte blitzschnell mit seinem Taschenmesser, bestimmt war es ein Schweizer Taschenmesser der Marke Victorinox (Schleichwerbung!), ein Kreuz in die Rinde und der Teufel war wiederum gefangen. Irgendwie zeigt die Lernkurve des viel zu netten Teufels ein bisschen nach unten oder was meint ihr?

Der Teufel musste nun versprechen, Jack bis in alle Ewigkeit in Ruhe zu lassen. Wenigstens der Säufer hat dazugelernt. Luzifer zottete also abermals unverrichteter Dinge ab und Jack lebte für den Rest seines Lebens unbehelligt von höllischem Besuch. Doch eines Tages hat auch Jacks letztes Stündchen geschlagen - ob er an Leberversagen oder altersbedingt starb, ist wohl unbekannt - und er stand vor der Himmelspforte und bat um Einlass. Petrus jedoch lachte sich krumm und verwehrte ihm den Eintritt in den Himmel. So wandte sich Jack an die untere Etage und klopfte beim Teufel an. Dieser jedoch hatte versprochen, Jack in Ruhe zu lassen. Ironischerweise hält sich der Teufel anscheinend an seine Versprechen. Doch sowohl vom Himmel wie auch der Hölle zurückgewiesen, sah sich Jack dazu verbannt, bis in alle Ewigkeit ruhelos herumzuirren. Weil der Teufel Mitleid mit ihm hatte, gab er ihm eine glühende Kohle aus der Hölle mit, welche Jack in eine ausgehöhlte Rübe steckte und die ihm fortan als Weglicht diente.

 So, das war sie, die Legende von Jack O'Lantern. Daraus wurde dann später abgeleitet, dass ein glühendes Stück Kohle in einer Rübe oder eben eine Kerze in einem Kürbis dafür sorgt, dass der Teufel und seine Kreaturen einen in Ruhe lassen.

 

Um unsere Dämonen versöhnlich zu stimmen, beginnen wir nun mit der Schnitzerei an unserer heissen Hexe. Ich habe dafür ein gewöhnliches Rüstmesser ohne Wellenschliff verwendet, wie man es bestimmt in jedem Haushalt kennt.

Dann schnitze ich die schwarz gemalten Flächen aus. Wichtig ist dabei, nicht komplett durchzustechen, sondern nur die Schale und die oberste Schicht des Fleisches abzuziehen. Hab ich ja schon erwähnt, ne? Je mehr Fleisch ihr abschabt, desto heller leuchtet diese Fläche danach im Kerzenlicht. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten, denn nur allzuschnell ist das Fleisch durchgestossen und ihr habt ein unschönes Loch in eurem Bild.

Und so sieht dann der fertig geschnitzte Kürbis aus. Bei Tageslicht eigentlich nicht besonders hübsch anzusehen, aber in der Nacht verfehlt er seine Wirkung nicht. Vergesst aber nicht, den Deckel abzunehmen, wenn ihr die Kerze anzündet. Oder ihr könnt auch irgendwo hinten im Kürbis ein Loch schnitzen, damit Sauerstoff zur Flamme kommt. Ansonsten lachen sich die Dämonen schlapp bei eurem kläglichen Versuch, sie daran zu hindern, eure Seelen zu holen.

So, nun wünsche ich euch ein fröhliches Schnitzen und passt auf eure Finger auf! Kunstblut an Halloween ist okay, aber abgetrennte Finger wären dann doch ein bisschen übertrieben, findet ihr nicht?

 

Gruselige Grüsse sendet euch

 

Scarlet Rose


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Kommentare: 1
  • #1

    Tina (Dienstag, 20 Oktober 2020 10:47)

    Das probier ich gleich aus! Danke für die Anleitung!