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Stay home and watch Netflix

Eigentlich scheue ich mich ja selten, meine Meinung kundzutun. Ich informiere mich, und zwar auf fundierten Medienportalen und nicht auf irgendwelchen Boulevard-Käseblättern, bilde mir eine Meinung und diskutiere gerne darüber. Denn gerade durch eine gute Diskussion mit anderen Menschen, die sich ebenfalls gut informiert und sich eine (gerne auch andere) Meinung gebildet haben, entstehen neue Ansichten und Ideen, die einen im Leben weiterbringen können. Ich halte die Meinungsfreiheit hoch und bin auch bereit dazu, meine eigene und die Freiheit der anderen verbal zu verteidigen, wenn es sein muss.

Trotzdem!

Wir befinden uns in einer globalen Krise. Jedes Land kämpft darum, sein Gesundheitssystem am Laufen zu halten und den aktuell grassierenden Virus einzudämmen. Auch ich habe unzählige Videos von Epidemiologen gesehen, die erklären, sie verstünden die Aufregung nicht und das Coronavirus sei doch noch längst nicht so schlimm wie die alljährliche Grippewelle. Auch ich habe Verschwörungstheorien darüber gelesen, dass es das Coronavirus gar nicht geben soll und dass das neue 5G Schuld sein soll an der vorherrschenden Krise, weil es irgendwas mit irgendwelchen Chemtrails in unseren Körpern anstellen soll. Oder dass die Globalmächte das Virus initiiert haben, um die Wirtschaft wieder auf Punkt Null zu setzen, damit sie ihren Machtaufstieg weiter fortsetzen können.

Ihr Lieben, auch ich bilde mir eine Meinung. Aber ich werde diese nicht kundtun. WEIL ES KEINE ROLLE SPIELT, WAS ICH DENKE! Unsere Regierungen haben gehandelt. Sie haben Regeln und Gesetze erlassen, die es zu befolgen gilt, ohne Widerrede! Und wenn ich dann die sozialen Medienportale öffne und dort Posts lese wie «Ich bin aber jemand, der Nähe braucht und ich lasse es mir nicht nehmen, meine Freunde zu umarmen» oder «Ich lasse mir mein Leben nicht von der Regierung diktieren», dann kommen mir die Tränen.

Nehmt das als Appell an die Solidarität!

Überall liest man von Solidarität. Menschen singen Lieder von ihren Balkonen, um den Zusammenhalt zu stärken, es werden Hilfestellungen aller Art im Netz angeboten. Und wenn man dann die Webcams der Stadt Bern anschauen geht, sieht man trotzdem hunderte von Menschen auf engsten Raum im Rosengarten flanieren oder im Marzili picknicken.

 

Solidarität ist kein Modewort, ist nicht einfach nur etwas, um in den sozialen Medien mitmachen zu können! Dieser Gemeinschaftsgeist muss jetzt wirklich, echt gelebt werden! Bitte ihr lieben Menschen, bleibt zu Hause, haltet euch an die Regeln eurer Regierungen und tragt euren Teil dazu bei, unsere Gesundheitssysteme zu schützen und das Virus in seine Schranken zu weisen. Es braucht wirklich jeden von uns! Denn hat nicht jeder von uns Menschen in seinem Umfeld, die besonders bedroht sind? Oder Pflegefachleute im Familien- und Freundeskreis, die völlig entkräftet und ausgelaugt sind und dennoch jeden Tag wieder hingebungsvoll ihren Aufgaben nachgehen? Oder vielleicht habt ihr, wie ich, auch geliebte Menschen, die auf Grund eines Unfalles oder einer Erkrankung im Spital liegen und dringend Hilfe benötigen. Es liegt in der Verantwortung von jedem von uns, all diese Menschen zu schützen!

Ich weiss, dass es schwer ist, sich so sehr in seinem persönlichen Leben einzuschränken. Auch ich leide darunter, dass ich meine liebsten Menschen nicht mehr sehen kann, dass ich alle Fotoshootings abgesagt habe, dass mein heiss geliebter Nähkurs nicht mehr stattfindet und dass der wöchentliche Einkauf von Lebensmitteln nebst der Arbeit mein einziger, WEIT ENTFERNTER Kontakt zu anderen Menschen ist. Auch ich fürchte um meine Existenz und bin betroffen von der wirtschaftlichen Lage, die dieses Virus ausgelöst hat.

 

Aber zum Wohle aller bleibe ich einfach in meiner schönen Wohnung verschanzt und nutze diese Art der Auszeit, mein Leben noch mehr zu entschleunigen. Für mich bedeutet diese private Isolation ganz viel Zeit, um meinen Mann im UNO fertigzumachen, auf dem Balkon zu sitzen und den kondensstreifenfreien Himmel zu bewundern, endlich meinen Stoffvorrat aufzunähen, all die gestrickten und nicht fertiggestellten Pullover wieder aufzuribbeln und die Wolle für neue Projekte wiederzuverwenden, endlich einmal den Frühlingsputz in Angriff zu nehmen, all die gekauften Bücher auch endlich einmal zu lesen und mich bei Netflix umzuschauen, was es so Neues gibt.

Und für all jene unter euch, die jetzt beim Lesen dieses Beitrages bestätigend genickt haben und dieser aussergewöhnlichen Lage ebenfalls versuchen, Herr (oder Frau) zu werden und das Beste daraus machen, für all euch Goldschätze, die ihr die Regeln befolgt und brav zu Hause bleibt, für euch habe ich jetzt einige Netflix-Serien herausgesucht, die euch die Zeit zu Hause bestimmt verkürzen wird.

 

Timeless

Ehrlich, Timeless ist für mich das, was für Millionen von Flimmerkistenabhängigen Game of Thrones war: die beste Serie seit Anbeginn der bewegten Bilder. In dieser US-Produktion jagen die Geschichtsprofessorin Lucy, der Soldat Wyatt und der dunkelhäutige Techniker Rufus einen Ex-NSA-Agenten. Das alleine wäre schon Stoff genug für einige packende Abende vor dem Fernseher, aber es kommt noch besser. Sie jagen dem Bösewicht Flynn nicht etwa in schnellen Autos, auf heissen Motorrädern oder gar in Flugzeugen hinterher, neeeeeein. Das wäre viel zu simpel. Sie tun es in Zeitmaschinen. Flynn reist in seinem Mutterschiff in eine beliebige Zeit zurück, um dort die Zukunft und somit die Geschichte der USA zu verändern, meine drei Lieblingszeitreisenden jetten in der Ersatzzeitmaschine hinterher und versuchen, Schlimmeres zu verhindern.

 

Was jetzt schon ziemlich nach Star Trek und Co tönt, hat überhaupt keine Gemeinsamkeiten mit spitzen Ohren und gespreizten Fingern. Obwohl ganz klar Science-Fiction, so legen die Macher ihr Augenmerk eher auf die historischen Aspekte der Story. Die Serie ist aufwändig gemacht, die Kostüme grenzen an Perfektion und die Kulissen sind wahre Kunstwerke! Die Aufenthalte in der Vergangenheit sind gut recherchiert und man lernt auch als Geschichtsfan noch einiges dazu. Der einzige und riesige Nachteil an Timeless ist, dass die Serie nach nur zwei Staffeln abgesetzt wurde. Ich hätte mir so sehr noch mehr Abenteuer durch unsere Geschichtsbücher gewünscht.

 

Mein Fazit: Die Serie ist ein Muss für alle, die auch nur ein Fünkchen Interesse an Geschichte haben. Aber auch für solche, die sich eher weniger für die historischen Hintergründe interessieren, dafür aber Freude an Modegeschichte haben, ist jede einzelne Folge ein wahrer Augenschmaus. Einfach nur top!

High Seas - Mord auf hoher See

Was ich an der Serie besonders mag, sind die Protagonistinnen. Selten gibt es eine Serie, in der nicht ein Liebespaar im Fokus steht. Zwar gibt es auch von der Liebe in dieser Serie nicht zu wenig, aber doch dreht sich ein Grossteil der Geschichte um zwei Schwestern und deren Familie.

 

Auf einem Luxus-Kreuzfahrtschiff passiert im Jahr 1940 auf der Überfahrt zwischen Spanien und Rio de Janeiro eine Reihe mysteriöser Todesfälle. In der Folge stoßen die beiden Schwestern Eva und Carolina auf die verstörenden Geheimnisse ihrer Familie.

 

Wie sich aus dem Handlungsort schon schliessen lässt, ist es eine spanische Produktion und das merkt man auch. Es hat nichts von der amerikanischen Lässigkeit oder der mitteleuropäischen Kühlheit an sich. Die Serie sprüht vor Temperament und böse Zungen könnten behaupten, es wirke vielleicht ein bisschen platt und übertrieben. Obwohl die Serie von der historischen Seite vielleicht nicht immer ganz harmonisch wirkt, so kompensiert die fantastische Arbeit der Kostümbildner doch die eine oder andere Unstimmigkeit. Die Story ist unterhaltsam, wenn auch nicht besonders tiefgründig oder inhaltsvoll.

 

Mein Fazit: Wer historisch gesehen nicht ganz so pingelig ist und sich ein paar Abende leichte Unterhaltung gönnen möchte, für den- beziehungsweise für diejenige ist die Serie optimal. Für Männer ohne Vorliebe für Seifenopern ist High Seas eher nicht geeignet. Und auch ich muss zugeben, dass ich die Serie wohl eher nicht geschaut hätte, würde sie nicht im Jahre 1940 spielen. Aber besonders die Outfits von Eva haben es mir so sehr angetan, dass ich mindestens ein Ensemble davon nachnähen werde!

the bletchley circle

In Kriegen treffen Menschen zusammen, die sich im «normalen» Leben wohl kaum miteinander abgegeben hätten und es entstehen Freundschaften, die tiefer gehen können als so manche Blutsverwandtschaft. Diese britische Serie handelt von vier Frauen, deren einzige Gemeinsamkeit das Talent im Knacken von Codes zu sein scheint. Und doch entsteht eine Freundschaft, die den Krieg überdauert.

 

Die Serie spielt im Jahre 1952 und erzählt in Rückblenden von der Arbeit der vier Kryptoanalytikerinnen, die im englischen Landsitz Bletchley Park die Codes der Nazis entschlüsselten. Wieder im Alltag angelangt, haben sie Mühe, zurück in ihr altes Leben zu finden und ihre im Krieg gewonnene Selbstständigkeit aufzugeben. Als Susan dann per Zufall ein Muster hinter einer ungeklärten Mordserie entdeckt, überzeugt sie die drei anderen Codeknackerinnen, gemeinsam mit ihr die Morde aufzuklären.

 

Ich als Krimiliebhaberin konnte mich vor Freude kaum halten, als ich diese Serie auf Netflix entdeckt habe. Rätsel und starke Frauen kombiniert mit meinen beiden liebsten Jahrzehnten, geht es noch besser? Die Serie hat mich dementsprechend auch nicht enttäuscht. Zwar sind die Kleider nicht die schillerndsten, das liegt aber einerseits an der Kriegs- und Nachkriegszeit, andererseits sind die Charaktere bis auf eine Ausnahme nicht besonders modebewusst. Dennoch ist die Serie in geschichtlicher Hinsicht sehr gut arrangiert.

 

Ich empfinde die Stimmung von «The Bletchley Circle» als äusserst britisch – zurückhaltend und gedeckt, allerdings nicht im negativen Sinne. Wofür ich den Machern ein Kränzchen winden muss, ist, wie sie es geschafft haben, neben der hochgehaltenen Spannung auch noch die individuelle Entwicklung und Wiedereingliederung in den Alltag der vier doch sehr unterschiedlichen Frauen zu beleuchten.

 

Mein Fazit: Ein Krimi, sei es auch ein besonders guter, besticht in der Regel nicht dadurch, dass er einen langfristig beschäftigt. Diese Serie besticht allerdings tatsächlich durch ihren Inhalt und regt zum Nachdenken an. Wer auf lockere Unterhaltung hofft, ist mit dieser britischen Krimiserie nicht gut bedient. Wer aber in Stimmung ist, sich Gedanken über das damals gängige Frauenbild zu machen und dabei auch noch zuzuschauen, wie eine spannende Mordserie gelöst wird, der sollte sich «The Bletchley Circle» unbedingt ansehen.

Miss Fishers mysteriöse mordfälle

Oh, wie ich den Witz und den Charme der Hobby-Detektivin Phryne Fisher liebe! Sie entführt den Zuschauer mit Eleganz und Köpfchen in die luxuriöse und aufregende Welt der 20er-Jahre, in der sie dem attraktiven Polizeiinspektor Jack bei der Aufklärung mysteriöser Mordfälle hilft und dabei das moderne, unabhängige und scharfsinnige Frauenbild auf eine so subtile Weise verkörpert, dass es weder aufdringlich noch platt wirkt.

 

Die Fälle sind spannend und machen vor keiner Gesellschaftsschicht Halt. So taucht man sowohl in das Fabrikleben eines Arbeiters wie auch in den High Society Alltag einer Modeschöpferin ein. Die Kostüme sind sagenhaft, die Fahrzeuge eine wahre Pracht und ganz allgemein ist die Gesamtstimmung dieser 3 Staffeln trotz Mord und Totschlag irgendwie fröhlich und leicht.

 

Mein Fazit: Pflichtprogramm für alle, die den 20ern verfallen sind. Oder aber für alle, die gerne die lockere Art von Krimi mögen. Oder für alle, die gerne Serien mögen, in denen starke Frauen die Hauptrolle spielen. Und eigentlich sowieso für alle, die gerne fröhliche Serien mögen, die in der Vergangenheit spielen, eine ordentliche Prise Spannung mit sich bringen und das Ganze dann noch mit einem Hauch Sexappeal abschmecken. Ein wahrer Genuss!

outlander

Es ist keine einfache Aufgabe, die sich die Produzenten von Outlander da gestellt haben. Denn wenn man eine so unfassbar gute Buchserie, die schon Millionen von Lesern begeistert hat, verfilmen will, sind es grosse Fussstapfen, in die man tritt. Schliesslich hat sich jeder Leser und jede Leserin bereits ihr eigenes Kopfkino zusammengestellt, sich die Orte ausgemalt, den Figuren Gesichtern gegeben. Allzu leicht ist es da, die Erwartungen zu enttäuschen und viel zu oft passiert auch genau das.

 

Selten war ich aber so begeistert von der Umsetzung einer Buchvorlage, wie ich es bei dieser Serie war. Claire, die auf einer Reise nach Schottland beim Besuch eines Steinkreises durch die Zeit fällt und 200 Jahre früher, im Jahr 1743, wieder zu sich kommt, wird von Hochlandschotten aufgegabelt und begibt sich von da an mit Jamie, dem rothaarigen Highlander, auf unzählige Abenteuer, immer hin und hergerissen von dem Wunsch, in ihre Zeit zurückzukehren oder aber in der Vergangenheit zu bleiben, um die Schotten vor ihrem Schicksal zu retten.

 

Schon alleine die Besetzung des männlichen Hauptdarstellers wird für viele Ladies Grund genug sein, sich die Serie anzuschauen. Aber die wahre Meisterlichkeit der Bücher und somit auch Grundlage der Serie ist die fundierte Recherche, die die Schriftstellerin Diana Gabaldon geleistet hat. Ich als riesiger Schottland-Fan und Geschichtsinteressierte habe, als ich Band 1 zum ersten Mal las, viele der historischen Fakten geprüft und war fasziniert, wie genau alles gestimmt hat. Die Story ist sehr tiefgründig und mitreissend aufgebaut, man leidet, liebt und lacht mit den Protagonisten und die Landschaftsaufnahmen Schottlands alleine wären es schon Wert, die Serie zu schauen.

 

Mein Fazit: Einfach nur traumhaft! Wer sich gerne so richtig ein eine Story reinfühlt, dabei noch einiges über die schottische Geschichte lernen möchte und sein Herzklopfen wieder einmal bis zum Hals spüren möchte, der sollte sich Outlander unbedingt ansehen.

Ich könnte euch noch unzählige weitere Serien empfehlen, aber erstens will ich nicht den Anschein machen, als ob ich nur vor dem Fernseher hänge und mir Serien reinziehe, und zweitens wissen wir ja nicht, wie lange diese Krise anhält. Vielleicht hab ich ja dann genügend Zeit, noch einen zweiten Post über Netflix-Serien zu schreiben, wer weiss.

 

Nun wünsche ich euch vergnügte Stunden vor dem TV, zankt nicht zu sehr um die Fernbedienung, seid lieb zueinander und vorallem: BLEIBT ZU HAUSE! Seid solidarisch und denkt an die Gemeinschaft. Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Es braucht jeden von uns.

 

Isolierte Grüsse

 

Scarlet Rose


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