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Nicht ganz so gruseliges Halloween-Makeup

Ich muss mich outen. Es wird endlich Zeit, dass ich es öffentlich zugebe: Ich bin ein Halloweenmuffel. Vielleicht liegt das daran, dass ich zu der ersten Generation gehört habe, die mit einem alten Bettlaken über dem Kopf zögerlich von Haus zu Haus gezogen ist, um Süssigkeiten zu erbetteln. Als ich mit meiner Nachbarin, deren Vater Amerikaner ist und für die Halloween zu den Feiertagen dazuzählt wie Weihnachten, an der Türe eines alten Hauses geklingelt habe, hatte ich ganz schönes Muffensausen. Zu recht, wie sich dann herausstellte. Die alte Frau, die die Tür öffnete, hatte nichts übrig für kleine Kinder mit Bettlaken über dem Kopf. Als wir auf ihre herausgespiene Frage "Was wollt ihr?" dann auch noch mit "Süsses oder Saures" geantwortet haben, holte sie den Besen und jagte uns unter wildem Geschimpfe davon. Ich weiss noch ganz genau, wie sie uns hinterhergerufen hat, wir sollten gefälligst verschwinden, sonst gebe sie uns dann wirklich Saures und dass wir Saubengel unsere Süssigkeiten selbst verdienen könnten. Ich glaube, sie war eine echte Hexe.

Im Jugendalter habe ich dann meine zweite, schreckliche Erfahrung mit Halloween gemacht. Ich habe im Oktober Geburtstag. Nichts liegt also für einen Teenie, der sich bei seinen Mitschülern beliebt machen wollte (ich war imfall nie beliebt, wirklich!), näher, als eine richtig tolle Halloweenparty zu schmeissen. Da ich den besten Götti der Welt habe und der zufälligerweise auch noch bei einer Eventfirma gearbeitet hat, haben wir kurzerhand die Zimmerei meines Vaters umgestaltet. Von einer Nebelmaschine über mehrfarbige Scheinwerfer bis hin zu einer Discokugel hat es wirklich alles gehabt, was ein 14jähriges Herz begehren könnte! Wir haben stundenlang künstliche Spinnennetze aufgehängt, Neonröhren mit ultraviolettem Licht installiert und eklig leckere Snacks in den abartigsten Farben gebacken und kreiert. Und das alles eigentlich bloss, um meinen jahrelangen Schwarm zu beeindrucken.

Damit dieser Junge also endlich von mir Notiz nimmt, habe ich mir ein ausgeklügeltes Outfit zurechtgelegt. Ich trug einen hellblauen BH (mit einem Snoopy drauf, echt wahr!) und darüber ein blutrotes Häkeltop. Wenn ich nun also im Ultraviolettlicht stehen würde, sollte mein BH neckisch und sexy durch das Top hindurchblitzen. Mein Gesicht grundierte ich mir mit einem weissen Bühnenmakeup. Irgendwie habe ich mir vorgestellt, dass bleiche Gesichtszüge edel an mir aussehen würden. Die Haare habe ich mir mit Sprayfarbe orange gesprayt. Ich hatte schon immer einen Hang zu kupfrigen Haaren. Dazu dann ein dramatisches Augenmakeup und selbstverständlich rote Lippen.

Obwohl ich mir unheimlich sexy vorkam, die Party ein voller Erfolg war und wir alle so taten, als wären wir von der alkoholfreien Bowle ein bisschen beschwipst, nahm mein Schwarm keine Notiz von mir, sondern flirtete lieber mit der sexy Hexe rum. Als ich Wochen später dann die entwickelten Fotos von der Party zu sehen bekam, war mir auch klar, weshalb: Ich sah aus wie ein verdammter Clown! Nicht einmal wie ein gruseliger Clown, nein! Wie ein lustiger, doofer Clown. Dass ich kurz vorher meine Haare abgeschnitten habe (das war ein Unfall) und sie mir also in wuscheligen, knallorangen Locken um den Kopf hüpften, machte es auch nicht besser. Es war ein richtiges Clown-meets-Pumuckl-Desaster!

Von da an war Halloween für mich gestorben - bis heute. Wenn ich aber eines gelernt habe in den letzten Jahren, dann dass man ab und zu seine Vorurteile über Bord werfen und einen Neuanfang wagen sollte. Da ich mich aber nach meiner Clown-Erfahrung nicht mehr so recht an ein Halloween Makeup rantraue, nahte in Form von Gabriela meine Rettung! Damit ich zukünftig nicht jede Einladung zu einer Halloweenparty ausschlagen muss, hat Gaby mir gezeigt, wie ich mich unübertrieben, aber wirkungsvoll für diesen Kürbisfeiertag zurechtmachen kann. Und damit ich es zukünftig auch alleine wieder hinkriegen würde, haben wir gleich ein Tutorial dazu gemacht. Für alle die wie ich auch zwei linke Hände haben, wenn es um's Schminken geht, kommt hier die Schritt-für-Schritt-Anleitung. Viel Spass beim Nachschminken!

Tutorial für ein nicht ganz so gruseliges Halloween-Makeup (ich hasse blut):

 

 

Ha! Nein, wir sind nicht schon fertig. Das ist mein richtiges Gesicht, kein Halloween-Makeup. Ich hab es vor dem Makeup gründlich gereinigt und dann mit einer Tagescreme mit UV-Schutz grundiert. Dann noch kurz die Haare zurückgebunden, damit man das Makeup auch schön bis in den Ansatz reinmassieren kann, damit es später keine üblen Makeup-Ränder gibt.

Wir starten mit den Augen. Und zwar deshalb, weil wir so viel Lidschatten auftragen werden. Damit dieser nicht auf das schon fertige Makeup krümelt und es somit ruiniert, beginnen wir mit den Augen. Wir tragen einen hautfarbenen Primer auf, den wir gleichmässig auf das Augenlid bis unter die Augenbrauen verteilen. Dann tragen wir eine Schicht dunkelgrünen Lidschatten auf das bewegliche Augenlid auf und verblenden zu der Augenbraue hin. Wir verblenden so lange, bis ein möglichst natürlicher Übergang zum Hautton geschaffen wurde.

 

 

Über der Lidfalte tragen wir nun einen Lidschatten in einem helleren Grün auf. Dies dient auch wieder dem Zweck, den Übergang  zum natürlichen Hautton möglichst harmonisch zu gestalten. Verblendet wird wiederum nach oben hin. So lange verblenden, bis keine Kanten mehr sichtbar sind, sondern alles einen schönen Übergang bildet.

 

 

 

Nun schattieren wir den unteren Wimpernkranz mit dunkelgrünem Lidschatten. Um die Augen noch ein bisschen dramatischer zu gestalten, betonen wir innerhalb des unteren Wimpernkranzes das äusserste Drittel des Auges mit einem feinen Kajalstrich in schwarz.

 

 

 

Mit einem schwarzen Lidschatten formen wir nun auf dem beweglichen Lid ein Dreieck. Wir haben uns dabei an diese Linie gehalten, auf der im nächsten Schritt auch der Lidstrich gezogen wird. Den Lidschatten lassen wir gegen die Mitte hin verlaufen.

Der Lidstrich kann so dramatisch gezogen werden, wie du das möchtest. Grundsätzlich gilt: je kleiner die Flügelchen im Augenwinkel, desto einfacher der Lidstrich. Um einen möglichst gleichmässigen Lidstrich zu ziehen, setzt du im äusseren Augenwinkel mit dem Stift oder Pinsel an und ziehst eine gerade Linie in Richtung der Schläfe. Die Spitze der Linie verbindest du dann in einer ebenfalls geraden Linie mit einem Punkt im äusseren Drittel des Wimpernkranzes. Je weiter innen du diesen Punkt wählst, desto dicker wird dein Lidstrich.

 

Auch wenn es aussieht wie eine Folterzange, ist es doch ein ziemlich nützliches Hilfsmittel, um deinen Wimpern einen schönen Schwung zu verleihen. Verwende die Wimpernzange auf noch ungetuschten Wimpern und trage erst danach die Wimperntusche deiner Wahl auf. Alle Produkte, die Gaby in diesem Makeup verwendet hat, sind übrigens tierversuchsfrei und können direkt bei ihr bestellt werden.

 

Saubermachen! Jetzt wischen wir erstmals die Krümelchen vom Lidschatten weg und reiben das Gesicht mit einem farblosen Primer ein. Dann tragen wir einen Concealer unter den Augen, auf der T-Zone, auf dem Nasenrücken, dem Grübchen in der Oberlippe unterhalb der Nase und dem Kinn auf und verwischen diesen sorgfältig (beim rechten Auge auf dem Bild hat Gaby den Concealer schon sorgfältig eingearbeitet.

Nun tragen wir das Makeup auf. Hierbei kannst du entweder dein übliches Makeup nehmen, oder aber du greifst zu einem etwas helleren Farbton. Dann aber besonders gut darauf achten, dass du die Ränder sauber verwischst. Und vertraue mir, mit "etwas heller" meine ich nicht schneeweisses Bühnenmakeup. Blasse Gesichtszüge passen aber sehr gut zu Halloween. Erinnert irgendwie an Vampire. Oder Tote. Ich hab mich für die Farbe "noch ziemlich lebendig" entschieden. Gaby hat das Makeup dann mit einem Pinsel gut in die Haut eingearbeitet.

Nun schminken wir mit einem etwas dünkleren Makeup die Wangenkonturen heraus. Wir führen den Pinsel von der Mitte der Wange her (von der Höhe her etwa in der Mitte von Oberlippe und Nase) unterhalb des Wangenknochens hindurch und ziehen ihn in einem kleinen Bogen rauf in Richtung Schläfe. Dabei ist es besonders wichtig, dass man das Makeup wirklich gut verblendet, ansonsten sieht es echt unschön aus. Das Rouge setzen wir gleich über dem Countouring an. Wir beginnen bei den Lachbäckli und ziehen es ebenfalls in einem Bogen hoch in Richtung Schläfe.

Um dem Gesicht noch ein bisschen mehr Tiefe zu geben, benutzen wir Highlighter, den wir oberhalb des Rouges auftragen. Wir geben ebenfalls ein bisschen Highligher auf die Stelle unter dem Brauenbogen, an der kein Lidschatten ist, auf das Grübchen in der Oberlippe und auf's Kinn. Dann ziehen wir die Augenbrauen mit einem Stift nach. Ich hab mir richtig eckige Augenbrauen gewünscht, also hat Gaby mir diese einfach hingezeichnet. Ich hab so gestaunt, wie die Augenbrauenform ein Gesicht verändern kann!

Jetzt gehts ans Finish: Wir ziehen die Lippen erst mit einem zum Lippenstift passenden Lipliner nach, damit der Lippenstift dann nicht in die winzigen Fältchen um die Lippen rum ausläuft. Wenn ihr keine passende Farbe habt, dann verwendet einfach einen neutralen Farbton dafür. Dann den gewünschten Lippenstift mit einem Pinsel auftragen und die überschüssige Farbe abtupfen. Fertig!

Na, wie gefällt es euch? Ich möchte so gerne eure Version davon sehen, also wenn ihr das Tutorial nachschminkt, macht doch ein Foto davon und sendet es mir zu oder verlinkt mich auf Instagram, damit ich euch reposten kann! In der Galerie unten seht ihr noch einmal alle verwendeten Produkte, die ihr bei Gabriela beziehen könnt. Sie sind, wie schon erwähnt, tierversuchsfrei hergestellt. Der Lippenstift ist übrigens aus meinem Beautyschränkchen und ist von meiner Lieblingsmarke exurbe cosmetics. Er hat den klingenden Namen "Black Widow". Wie passend, nicht?

Was hatte ich für einen Spass! So schwer ich mich damit tue, mir selbst ein Makeup aufzutragen, so sehr geniesse ich es immer, wenn es jemand anderes für mich macht. Ich für meinen Teil habe mir auf jeden Fall vorgenommen, fleissig zu üben. Schliesslich kann ich das Gelernte in ein wenig dezenteren Farben tiptop für ein Alltagsmakeup anwenden. Und wenn es wieder einmal perfekt sitzen muss, dann weiss ich, dass ich mich einfach bei Gaby melden kann. Sie ist nämlich, wie erwähnt, Visagistin und sie nimmt sehr gerne Buchungen entgegen, um dich für deinen Anlass noch hübscher zu machen!

 

Nun wünsche ich euch allen ein gruseliges (oder eben auch nicht so gruseliges) Halloween. Ich bin dann mal weg und sammle Süssigkeiten ein.

 

Herzlichst

Eure Scarlet Rose


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