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Eine Tasse Kaffee mit Eveline vom Luckymonkey

Gibt es etwas Schöneres als eine Tasse Kaffee? Und ob! Ein kunstvoll angerichteter Latte Macchiato mit einem leckeren Guetzli (oder Chröömli, wie wir im Mundart sagen) dazu, genossen im wohl gemütlichsten Cafe, das ich kenne und als I-Tüpfelchen dann noch eine so charmante Gesprächspartnerin wie Eveline obendrauf!

 

An einem furchtbar verregneten Tag im August habe ich mich nämlich aufgemacht, um dieser unglaublich tatkräftigen, jungen Frau einige Fragen zu ihr und ihrem Laden, dem Luckymonkey in Aarau, zu stellen. Welche Tipps und Erfahrungswerte sie mir dabei mit auf den Weg gegeben hat, lest ihr hier:

Eveline vom Luckymonkey in Aarau

Was ich mich gefragt habe, du bist ja recht jung...

Ah ja findest du? Weisst du denn, wie alt ich bin? (lacht)

Nein, das wäre ehrlich gesagt meine erste Frage gewesen. Ich hätte auf 29 getippt.

Aaaah yesss! Voll in’s Schwarze getroffen. In diesem Oktober werde ich 30.

(Anm.: Mittlerweile hat Eveline Geburtstag gefeiert und hat somit nun auch die 3 am Rücken)

Und wann hast du den Luckymonkey eröffnet?

Den Laden habe ich im Dezember vor drei Jahren eröffnet. Aber die Geschichte des Luckymonkey begann vor etwa sechs Jahren, als ich erst im kleinen Rahmen einen Onlineshop führte und dann an Oldtimer- und Amitreffen einen Marktstand hatte.

Also lass mich kurz zurückrechnen. Dann hattest du mit Anfang Zwanzig diese Idee vom Luckymonkey. Aber eine Idee ist ja noch kein Onlineshop und schon gar nicht einen Laden. Wie bist du vorgegangen?

Das Ganze begann so: Ich habe in einem 80%-Pensum als Visual Merchandiserin gearbeitet und habe irgendwie immer das Gefühl gehabt, ich müsse noch etwas machen. Das war die Zeit, als gerade unzählige Onlineshops eröffnet wurden, auch solche, in denen man Second Hand Sachen kaufen konnte. Das hat mich einfach fasziniert, also ging ich zu meinem Partner Freddy und eröffnete ihm: “Hey, ich hab ne Idee. Ich mach jetzt einen Onlineshop.” Er war dann eher skeptisch, schon alleine wegen des grossen Aufwandes. Eine Woche später kam er dann und meinte, dass wir beide einen Onlineshop eröffnen würden. Das haben wir dann wirklich gemacht. Sein Onlineshop ging eher in Richtung Technik und Maschinenbau und ich eröffnete meinen kleinen Vintage Online Shop, den ich dann später ausgebaut habe zu einem Rockabilly Online Shop. Und da wir beide unseren eigenen Shop eröffnet haben, hatten wir auch beide unser Projekt am Start und brachten dadurch viel Verständnis für die Begeisterung des jeweils anderen auf. Es war ein richtig tolles Hand in Hand arbeiten. Ich hab von Anfang an den visuellen und er den technischen Part übernommen. Wir haben das Projekt gemeinsam gestartet und konnten uns gegenseitig unterstützen. So hat das alles angefangen.

Beeindruckend! Du hast quasi mit Nichts angefangen und heute sitzen wir hier in deinem eigenen Laden mit Cafe. Und das alles hast du noch vor Dreissig geschafft. Chapeau Madame!

(Lacht) Ja, ich bin sehr zufrieden. Ich finde es wichtig, das umzusetzen, was man im Kopf hat und nicht nur das ganze Leben darüber nachzudenken. Wenn man etwas will, dann sollte man es einfach tun.

Wie bist du auf die Idee mit dem integrierten Cafe gekommen?

Latte Macchiato im Luckymonkey in Aarau

Irgendwann haben mein Partner und ich begonnen, uns sehr für Kaffee zu interessieren. Wir haben also verschiedene Plantagen in Kolumbien besichtigt und das hat uns so richtig “den Ärmel reingezogen”. Man könnte Kaffee ein bisschen als meine zweite Leidenschaft bezeichnen, und für mich ist die Kombination aus Einkaufen und Kaffeetrinken das ultimative Shoppingerlebnis: erst ein bisschen Kleider probieren, dann zwischendurch eine Stärkung in Form von Kaffee und Kuchen zu sich nehmen, um dann in die zweite Runde Shopping durchzustarten.

Verfolgst du schon ein nächstes Ziel? Einen zusätzlichen Standort zum Beispiel?

Zugegeben, am Anfang haben wir schon darüber nachgedacht, noch eine zweite Filiale zu eröffnen. Aber wenn du so ein Riesenprojekt wie eine Ladeneröffnung durchziehst, bist du so “imänä Züüg inne”. Du arbeitest unter ständigem Druck. Wenn der Stress dann einmal abflacht, dann hast du gleich das Gefühl, dass du jetzt das nächste Projekt starten musst. Aber das muss es nicht. Wir hatten endlich einmal wieder Zeit, ein bisschen zu entspannen und das Privatleben auch wieder ein bisschen mehr zu geniessen und auszubauen und das ist wunderschön. Deshalb war für uns dann eigentlich schnell klar, dass wir nicht noch mehr brauchen. Wir sind genau dort angekommen, wo wir sein wollten. Ich konnte hier im Luckymonkey alles umsetzen, wovon ich geträumt habe.

Wenn ich das so höre, dann bereue ich richtig, dass nicht ich mit Zweiundzwanzig die Idee hatte, einen Onlineshop zu eröffnen. Nein aber ernsthaft, ich finde es einfach nur toll, dass du das Step by Step selbst aufgebaut hast. Du bist quasi der lebende Beweis dafür, dass der Amerikanische Traum auch in der Schweiz möglich ist und sich harte Arbeit auch hier auszahlen kann.

Absolut! Ich sage immer, dass man im Leben alles haben kann. Aber man muss etwas tun dafür. Wenn es jedoch wirklich dein Traum ist, dann bist du auch bereit, alles dafür zu geben. Ich muss allerdings zugeben, dass ich es ohne Freddy nicht geschafft hätte. Er ist meine rechte Hand, ohne ihn würde das alles hier nicht funktionieren. Er ist nicht nur mein Freund (Anmerkung: mittlerweile Ehemann), er ist auch mein Geschäftspartner. Er macht all die administrativen Dinge im Hintergrund. Das ist extrem wichtig, denn nur so kann ich mich auf meine Aufgaben im Laden konzentrieren.

Shop Luckymonkey in Aarau

Was macht den Luckymonkey so besonders? Was hebt ihn von anderen Läden ab?

Wir schauen bei den Kollektionen darauf, dass wir Kleider anbieten, die die anderen Läden nicht führen. Und wir versuchen, verschiedene Frauentypen anzusprechen. Nicht nur diejenigen, die ein Pünktchenkleid brauchen um das erste Mal an ein Route66 zu gehen, sondern eben auch Menschen, die sich enorm für Originalkleider begeistern. Deshalb findet man bei uns auch echte Vintage Kleider. Wir gehen mehrmals im Jahr ins Ausland und kaufen auf Vintagemärkten im grossen Stil ein, um unseren Kunden die schönsten Stücke anbieten zu können. Und ich glaube, dass wir die einzigen in der Schweiz sind, die das Konzept Cafe und Laden anbieten können. Das ideale Shoppingerlebnis halt.

Was war als kleines Mädchen dein Berufswunsch?

Landwirtin. Bis ich realisiert habe, dass man Tiere schlachten muss. Da war es dann aus mit dem Traum. Aber generell bin ich wirklich ein Landei, auch wenn es vielleicht nicht so aussehen mag. Ich liebe es, ausgedehnt spazieren zu gehen, in Wäldern zum Beispiel. Das ist mein Ausgleich zum Berufsleben.

Du sagst, du seist ländlicher, als du aussiehst. Die perfekte Überleitung für mich, denn: Du siehst immer aus wie aus dem Ei gepellt. Deine Frisuren, dein Makeup, deine Kleider. Alles scheint immer perfekt. Hand auf’s Herz: Wie lange brauchst du morgens im Bad?

Ganz ehrlich, ich bin kein Morgenmensch. Deshalb muss ich mir morgens immer genügend Zeit einplanen, weil ich echt nicht gerne Stress habe. Ich rechne immer ungefähr 1.5 Stunden ein, um gemütlich aufzustehen, zu duschen, meine Kleider rauszusuchen, mich zu frisieren und zu schminken. Dann darf ich nicht vergessen, meine Handtasche umzupacken, die muss ja schliesslich auch zum Outfit passen. Je nach Wetter brauche ich dann auch noch den passenden Regenschirm. Und natürlich den passenden Schmuck. Aber alleine für Haare und Makeup benötige ich schon eine Stunde. Je nach Aufwand der Frisur. Ein Brushout braucht ein bisschen mehr Zeit. Da kann es schon mal ein bisschen länger dauern als 1.5 Stunden.

Wie häufig wischst du dir deine Haare?

Einmal in der Woche, immer am Sonntag.

Welche Frisurentricks kannst du uns verraten?

40er Brushout Frisur Haare Vintage

Ich benutze zum Eindrehen einen Lockenstab, denn ich finde, dass die Locken durch die Hitze besser halten. Ich hab auch schon mit nassen Haaren die Locken aufgedreht und dann darauf geschlafen, aber am nächsten Tag sind die Locken schon wieder verschwunden. Weiter kommt es sehr darauf an, wie man die Haare eindreht. Man kann nicht einfach willkürlich wickeln und dann das Gefühl haben, dass die Haare dann perfekt fallen. Das ist eine anspruchsvolle Technik und etwas, das man wirklich üben muss. Ich habe auch lange gebraucht, bis ich herausgefunden habe, wie ich meine Haare am Besten aufdrehe und dann auskämme, damit ich das gewünschte Ergebnis kriege.

 

Auftoupieren ist sehr wichtig, dass man Volumen hat und die Haare nicht auf der Kopfhaut liegen. So werden sie auch weniger schnell fettig. Die richtigen Produkte sind sehr wertvoll. Ich verwende immer nur Shampoo und Conditioner vom Coiffeur (Paul Mitchell oder Olaplex) und auch den Haarspray habe ich vom Coiffeur (Big Sexy Hair). Der ist zwar Ultrastrong, aber lässt sich trotzdem rausbürsten. Das ist wirklich wichtig, denn wenn du verklebte Haare hast, kannst du auch keine neuen Frisuren mehr formen. Weiter sind die Bürsten wichtig. Wenn du die falschen Bürsten verwendest, kriegst du die Frisur leider auch nicht hin. Und dann einfach Sorge tragen zu den Haaren, vielleicht auch hin und wieder eine Haarpackung oder eine Haarkur verwenden.

Bist du eher ein Kopf- oder eher ein Herzmensch?

Puh, das ist schwer zu sagen. Ich denke, schon eher ein Herzmensch. Ich mache mir zwar auch immer viel zu viele Gedanken, aber generell bin ich schon eher ein Herzmensch.

Wenn du dich in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären es?

(Lacht) So etwas bin ich jetzt noch nie gefragt worden. Das ist ja mega schwierig. Jeder Charakter benötigt doch mehr als drei Worte, um ihn zu beschreiben. Wenn ich mich aber festlegen müsste, dann würde ich mich wohl für engagiert, kreativ und mitfühlend entscheiden.

Wann bist du das letzte Mal auf einen Baum geklettert?

Ungefähr vor fünf Jahren. In unserem letzten Zuhause hatten wir eine grosse Buche im Garten und dort habe ich ein Vogelhäuschen aufgehängt. Gut, der Baum war nicht mega hoch. Aber ich musste schon ein bisschen klettern.

Eveline und Arlette vor dem Luckymonkey in Aarau

Welche schlechten Angewohnheiten hast du?

Hmmm. Vielleicht, dass ich so viel Süsses esse? Ich kann nicht jeden Tag um so viele leckere Kuchen herum arbeiten, ohne mindestens ein Stück davon zu probieren.

Nein, das ist einfach nicht fair. Das schreibe ich bestimmt nicht, das macht ja das Selbstwertgefühl jeder Frau kaputt. Such dir eine andere Schwäche aus.

Es tut mir so leid! Ich hab manchmal echt selbst ein schlechtes Gewissen.

Komm schoooon. Ich zum Beispiel bohre in der Nase während dem Autofahren.

(verschluckt sich vor lachen) Also mein Freund sagt, dass ich immer unpünktlich sei. Wo er recht hat, hat er wohl recht. Ich denke, das ist meine schlechteste Angewohnheit.

Beende den Satz: In meinem Leben bin ich am dankbarsten für…

Für meine Gesundheit. Dass ich jeden Morgen aufstehen kann, fit bin und mein Leben so leben kann, wie ich mir das vorstelle und mir mein Körper nicht irgendwelche Einschränkungen gibt.

Wenn du jemandem aus irgendeiner Zeitepoche eine Frage stellen könntest, wer wäre es und was würdest du fragen?

Vielleicht würde ich mal mit Grumpy Cat an einen Tisch sitzen (lacht). Also ich fände es super spannend, einmal mit einem Tier zu sprechen. Aber ich glaube, ich würde eher jemanden aus meiner Familie wählen. Meine Grosseltern oder sogar Urgrosseltern. Und dann würde ich persönliche Familienfragen stellen oder einfach mal nachfragen, wie es zu dieser Zeit so war. Ich kann jetzt nicht explizit sagen, mit wem genau ich reden möchte, aber ganz sicher wäre es mit jemandem aus der Familie, mit dem ich ein Gespräch nachholen würde, das es zu Lebzeiten nicht gegeben hat.

Eine letzte Frage noch. Wenn du den Lesern etwas mit auf den Weg geben könntest, was wäre es?

Sei zufrieden mit dem, was du hast. Und mach das, was dich glücklich macht.

Shop Luckymonkey in Aarau

Wunderschöne Abschlussworte, denen es nichts mehr hinzuzufügen gibt. Danke Eveline, dass du mich in deinem schönen Cafe und Laden so verwöhnt hast und mir und meinen Lesern einen Einblick hinter die Kulissen erlaubt hast!


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